Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1912
- Date
- 1912-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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- 6i - Nicht viel später arbeitete er seine Dissertation "Yto] dv&pomvY), eine Vergleichung zwischen Aristoteles' und Piatos Ansichten über die inneren Organe des menschlichen Körpers, der als Anhang eine Darstellung der Lehre der alten Philosophen über die Sinne sowie ein Fragment Theophrasts „über den Sinn und die sinnlichen Gegenstände" folgen1). Diese Schrift hat jetzt aus Anlass seines hundertsten Geburtstages von einem Fachmanne ersten Ranges eine Beurteilung erfahren, die uns von Bewunderung für die Gelehrsamkeit und den Scharfsinn, die Methode und den Forscherblick des Zwanzigjährigen erfüllen muss, „der in seltener Kraft die klassische Literatur in allen ihren Zweigen, von der Dichtung und der Geschichte bis zur Philosophie, Naturwissenschaft und Medizin durchzuackern vermochte". Der Dank zweier Fakultäten, der medizinischen und der philosophischen, den ihm damals ein Kritiker zuerkannte, wird dem jugendlichen Forscher auch heute noch zuteil, denn das Werk ist von der wissenschaftlichen Forschung, die es mächtig angeregt hat, auch heute noch nicht überholt, seine Unentbehrlichkeit und Verdienstlichkeit wird auch gegenwärtig in vollem Umfange anerkannt. Wir schweigen von anderen gelehrten Jugendarbeiten Philippsons, von seinen zahlreichen unveröffentlichten Versuchen, die seine Liebe zur klassischen Philologie, seine vortreffliche Methode, seine ausgezeichnete Gestaltungskraft bezeugen2). Er hat dieses Gebiet verlassen, er hat seinen Neigungen ein starkes Opfer gebracht, seine Arbeitskraft ausschliesslich in den Dienst des Judentums gestellt. Aber noch mehr, der Mann, der mit so schwerem wissenschaftlichen Rüstzeug ins Amt ging, der so ausgebreitete Belesenheit in der klassischen Literatur, solche Treffsicherheit in der Handhabung philologischer und historischer Forschungsmethode bewiesen hatte, hat die wissenschaftliche Kleinarbeit, die damals in der Judenheit im Vordergrunde stand, nur selten wieder aufgenommen. Er konnte es wohl gelegentlich tun, die hellenistischen Studien fesselten ihn zu allen Zeiten, und er kam ^Erschien Berlin 183t; zum Folgenden vgl. Hermann Cohen, Ueber die Bedentang einer philosophischen Jugendschrift Ludwig Philippsons in dessen Ges. Abb. II, 469—486. 2) VgL Kayserling a. a. 0. S. 26,88 ff.