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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1912-01-01 · 1912 · page 58

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1912
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 58)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273605--1689-2275474
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— 60 — Bekenntnisses, auf dass das Judentum geeint und durch den Segen seiner religiösen Einheit gross und stark sei. IL Mit Philippsons religiösen Anschauungen hängt seine Stellung zur Wissenschaft des Judentums aufs innigste zusammen. Sie war zu Anfang in erster Reihe Altertumswissenschaft, auf die Erforschung der jüdischen Vergangenheit, auf die Wiederherstellung der verlorenen Literatur bedacht. Es waren ihre Ergebnisse, aus denen die Erkenntnis der Entwicklungsfähigkeit des Judentums floss, ihre Leistungen, die einen tiefen Einblick in das beispiellose Martyrium, aber auch in die gigantische Geistesarbeit des unglücklichen Stammes, in ein rastloses, unablässiges Bemühen um Kultur und Wissenschaft eröffneten. In der emsigen Arbeit der Begründer der Wissenschaft des Judentums lagen Keime, die für die kommende Zeit die reichste Ernte verhiessen. Den Jünglingen, die ihre Kraft dem Judentum zu widmen gewillt waren, winkte hier eine Zukunft voller Befriedigung ihres Wissensdurstes, ihres Forscherdranges; hier war eine Quelle des Lebens entdeckt, die dem siechen Judentum Gesundung, Aufrichtung, Kräftigung bringen musste. Wie stand Ludwig Philippson zu dieser Bewegung? Er hatte sich mit lebhaftem Eifer, mit jenem hohen Idealismus, den er der jüdischen Jugend seiner Zeit nachrühmt1), an der Berliner Universität philosophischen und naturwissenschaftlichen, geschichtlichen und juristischen Studien hingegeben, vor allem aber in der Schule August Boeckhs die klassische Methode philologischer Forschung gelernt. Noch nicht zwanzigjährig, liess er bereits der Wissenschaft des Judentums seine Förderung angedeihen. Aus Fragmenten, die bei den Kirchenvätern erhalten sind, erweckte er die Erinnerung an die jüdisch-alexandrinischen Dichter Ezechiel und den älteren Philo; durch diese noch heute wertvolle Schrift2) bot er einen wichtigen Beitrag zur Kenntnis der Geistesarbeit des jüdischen Hellenismus, wirkte er bahnbrechend für die methodische Erforschung dieser Literatur. *) Lebenserinnerungen in Allg. Zeitg. des Judentums, LI, 413. 2) Ezechiel des jüdischen Trauerspieldichters Auszug aus Aegypten und Philo des Aelteren Jerusalem, Berlin 1830.

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