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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1912-01-01 · 1912 · page 52

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1912
Date
1912-01-01
Page
– (sequence 52)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273605--1683-2275468
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— 54 — Wenn wir heute in unserer Lehranstalt die erste Gelegenheit, da Lernende und Lehrende sich hier wieder vereinigt haben, ergreifen, um auch unsererseits das Andenken Ludwig Philippsons zu feiern, so gilt unsere Dankbarkeit nicht ausschliesslich dem grossen Sohne der Gesamtheit, es ist eine häusliche Feier, die wir veranstalten, ein Fest unserer engeren Gemeinschaft. Denn er war unser! Der Mann, dessen Wirkungskreis so weit hinaus sich erstreckte über Länder und Meere, in dessen Seele die Sorgen seines ganzen Volkes ihr Echo fanden, gehörte mit vollem Herzen unserer Anstalt an; er zählte zu ihren Begründern, er ward Mitglied der Verwaltung und blieb es, bis er aus dem Leben schied. Er liebte sie, wie man ein Kind später Lebenszeit liebt, er verfolgte mit Besorgnis ihren Werdegang und leitete sie mit der abgeklärten Weisheit des Greises. Nicht, was er der Welt, sondern was er uns gewesen, wollen wir in dieser feierlichen Stunde betrachten, was er für diese Anstalt gefühlt und gewirkt, vor allem aber, welches seine Stellung gewesen ist zu den beiden grossen Gebieten, die zu behandeln unsere Aufgabe ist, zur Religion und zur Wissenschaft des Judentums. I. In Dessau ist Ludwig Philippson geboren, in der Stadt Moses Mendelssohn's; seines Geistes hatte die Heimatsgemeinde einen Hauch verspürt, das verklärte Gestirn des Reformators der Juden verbreitete auch nach seinem Untergange Glanz und Helligkeit. Mendelssohns Ideal zeitgenössischer deutscher Bildung zählte treue Anhänger. Ein der Aufklärung ergebener Fürst förderte diese Bestrebungen. Basedow bahnte dort die Verbesserung des Erziehungswesens an, betätigte am „Philanthropinum" die neuen Grundsätze einer den Körper und den Geist in gleicher Weise fördernden Ausbildung, führte Lehrbücher ein, die das Ziel humaner Bildung verfolgten, ohne in der hergebrachten Weise für das Christliche, wider Juden und Ketzer Stimmung zu machen. Das erwachte Bildungsstreben der Juden blieb rege, aus eigener Kraft schufen einige junge

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