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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1911-01-01 · 1911 · page 77

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1911
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 77)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273603--1627-2275411
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— 77 — die das damalige Judentum stellte, praktisch gefügt haben, aber aus seinem Denken hat er dieselben ausgeschlossen." Hier haben Sie wieder ein Stück seines eigenen Selbst, das er in Gabirol wiederfindet. Andere Persönlichkeiten und andere Wissensgebiete, denen Geiger seine umfassenden Studien gewidmet, übergehend, will ich nur mit wenigen Worten auf seine glänzendste Leistung hinweisen: auf seine Eehabilitierung der Pharisäer. Jahrhunderte hindurch galten die Pharisäer als die Werkheiligen und Heuchler und Trödler, die Jesus aus dem Tempel verjagte. Nein, sagte Geiger, sie waren die Retter und Erhalter der jüdischen Religion. Gegenüber den stabilen Buchstabenverehrern, den Sadduzäern, haben sie an dem Gesetz der Entwicklung, an dem Prinzip des Fortschritts, festgehalten. Wie die Propheten den Priestern gegenüber, die Satzung auf Satzung gehäuft und den Geist in Ketten schlagen wollten, die Freiheit in Gott proklamiert, so haben die Pharisäer mit den ihnen zu Gebote stehenden Mitteln sich aufgelehnt gegen eine stolze Priesterschaft, gegen eine Hierarchie, die nur von Rechten, nicht aber von gottgewollten Pflichten wissen wollte. Mit kühnem Selbstbewusstsein schleudern sie, die Männer des Volkes dem jüdischen Adel das Wort entgegen: „Allen ist gegeben das Reich, das Königstum, die Priesterschaft und die Heiligung." Alle sind berufen mitzuwirken an der Verherrlichung und Heiligung des göttlichen Namens, an der Befestigung und Verbreitung der Religion Israels. Durch die eigenartige, aber wie die Folge zeigte, notwendige Entwicklung, die Israels Religion seit Esra genommen, haben die Pharisäer indes nicht die Konsequenzen aus ihrem Prinzipe voll und ganz gezogen. Und sie haben das nicht getan, weil ihre Hände gebunden waren, gebunden durch die Schrift, die das Priestergesetz als gottgewolltes sanktioniert hat. Darum haben die Pharisäer die prophetische Höhe nicht ersteigen können. Allein, ihre Arbeit war dennoch keine vergebene und sie wird auch in Zukunft sich segensreich erweisen. Aber das kann nur geschehen, wenn wir das Erbe der Pharisäer, ihr Formalprinzip uns aneignen und es mit den uns zu Gebote stehenden Mitteln, mit der Erkenntnis, die unsere Zeit uns bietet, es anwenden zum Kampfe gegen das Beharrungsgesetz der trägen Massen,

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