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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1911-01-01 · 1911 · page 78

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1911
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 78)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273603--1628-2275412
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— 78 — die den alten Wein auslaufen lassen und froh sind, den Schlauch gerettet zu haben. Dieses historische Prinzip der jüdischen Reform hat Geiger wieder entdeckt und er hat es; wie keiner vor ihm, in Wort und Schrift verkündet. Dies hat er in der kurzen Spanne Zeit; in der sein innigster Herzenswunsch, in trautem Verkehr mit Jüngern der Wissenschaft zu treten, erfüllt wurde, seinen Schülern als heiligstes Testament hinterlassen. Gestatten Sie zum Schlüsse dem Schüler noch einige Worte lebendiger, persönlicher Erinnerung an den Meister zu sagen. Liebe und Wahrheit gingen vor ihm her. Damit ist am besten Abraham Geigers Stellung zu seinen Schülern charakterisiert. Liebe im Umgange mit ihnen, Wahrheit auf dem Lehrstuhl. Er war seinen Schülern Vater und Berater. Wir sind durch ihn nicht nur wissenschaftlich gefördert, sondern auch menschlich bereichert worden. In dem wunderbaren Glanz seiner Augen, in seinem verklärten Lächeln, tat sich licht und freundlich sein reiches Gemüt auf. Wir wussten, dass wir alle ein Plätzchen in seinem Herzen hatten. Der Vielbeschäftigte hatte für seine Schüler immer Zeit. Sichtlich ohne Opfer unterbrach er seine Studien und hörte wohlwollend und teilnehmend, wie ein guter Kamerad, das Anliegen an, das man ihm vortrug und niemals ging man ohne Gewinn von ihm. Ich habe nie wieder Hoheit und Demut so gepaart gesehen wie bei diesem Lehrer in Israel. Liebe und Wahrheit gingen vor ihm her, sie gingen ihm über Alles. Soll ich auch noch von dem Eindruck sprechen, den seine Vorträge und seine Vortragsweise auf uns gemacht? — Mir fehlen Worte dafür. Wenn ich sage: überwältigend, so habe ich alles gesagt, was ich sagen kann. Wir haben alle im Aether der Idee geschwebt und die Bergluft der Freiheit geatmet. Was er sprach, war Geist, durchgeistigt und dabei frohe Wissenschaft. Wir haben an seinen Lippen gehangen, wir haben seine Worte verschlungen und seine mächtige Stimme schallt noch jetzt in meinen Ohren und ich höre ihn den Geist herbeirufen, dass er Israel zu neuem Leben wecke, dass es seiner weltgeschichtlichen Aufgabe inne werde. Abraham Geigers Zukunftshoffnung zusammenfassend, rufe ich Ihnen in seinem Geiste zu: Hättest Du, Israel, keine andere

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