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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1911-01-01 · 1911 · page 76

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1911
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 76)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273603--1626-2275410
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— 76 — erleuchtet, mag auch der Tadel der unwissenden Masse mich treffen." Das ist glaubensstarker Mut und Geiger aus der Seele gesprochen. In seinem herrlichen Buche über Jehuda ha-Levi schildert er uns den tiefen Denker und den glaubensinnigen Dichter. Mit poetischer Nachempfindung lässt er in eleganter Form diesen Meistersänger vor unsern Augen seine Auferstehung feiern. Aber es ist nicht der liederreiche Mund allein, der Geiger an den Sänger fesselt, sondern seine Religionsphilosophie, die eigentlich keine Philosophie ist, weil sie der philosophischen Stützen und Krücken nicht bedarf, um zur Gotterkenntnis zu gelangen. Jehuda ha-Levi trägt Gott in sich, in seinem Gemüte; aus seinem Innern schaut auch er Gott. — Deutlicher als durch Plato und Aristoteles spricht ferner Gott zu ihm aus der Geschichte, ganz besonders aus seiner Offenbarung in Israel, aus seiner Offenbarung in Israels Propheten. Israel, sagt er, ist das religiöse Herz der Menschheit, das in seiner Gesamtheit die grösste Empfänglichkeit für die göttliche Offenbarung stets bewahrte und die einzelnen bedeutenden Männer waren die Herzen dieses Herzens. — Ich brauche wohl kaum hinzuzufügen, wie dieser erhabene Gedanke Jehudas fruchtbar für Geigers religiöse Weltanschauung geworden, wie auch er erfüllt von diesem Gedanken ein Herz des jüdischen Herzens geworden. In Salomo Gabirol zeigt er uns den Dichter, dessen Dichtung gedankenvoll geweiht, den Denker, dessen Denken dichterisch verklärt ist. Dieser einsame Denker ist für Geiger der Typus eines Idealmenschen. Er bewundert in ihm eine Faustnatur, die, heiligen Ursprungs, ohne Beimischung von Sinnlichkeit, nur eine Sehnsucht kennt: in die tiefsten Geheimnisse des Daseins hinabzusteigen, um das Triebrad des Geistes und des Lebens, die Kräfte, die das Universum zusammenbinden, zu erfassen. Es ist der heisse Wahrheitsdrang, der Geiger an seinen Helden fesselt. Gabirol ist für ihn das Vorbild des echten Forschers, der seine Gedanken bis zu Ende denkt und um die Konsequenzen sich nicht kümmert. „Er ist kein Mann des „Oder" und „Vielleicht", er bleibt bei seiner Ueberzeugung stehen und lässt alles andere nebenliegen. Gabirol mag, wie das im Mittelalter kaum anders denkbar ist, sich allen Anforderungen,

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