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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1911-01-01 · 1911 · page 75

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1911
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 75)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273603--1625-2275409
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— 75 — ins Arabische und lobt ihn deswegen, dass er seine Werke in seiner vaterländischen Sprache geschrieben. Charakteristisch sind folgende Worte: „Wenn Thomasius am Ende des 17. Jahrhunderts zuerst seine Vorlesungen nicht mehr in lateinischem Gewände, sondern deutsch hielt, so hat er damit ebensoviel gewirkt wie mit seinem Kampfe gegen den Hexenglauben und wenn Saadias seine Werke zuerst in arabischer Sprache schrieb, so hat er damit wesentlich eine Vereinigung des Zeitbewusstseins mit dem religiösen Herkommen angebahnt, wenn auch nicht vollkommen hergestellt." — . Das ist die Sprache des deutschen Patrioten, der Deutschtum und Judentum aufs innigste vereint wissen will. In dem Ethiker Bachja ben Joseph Bakuda stellt er eine Persönlichkeit dar, die uns in die Tiefen des menschlichen Herzens einführt, die religiösen, wie sittlichen Bedürfnisse desselben tief empfindet und erforscht. Er sucht nach dem Ewigbleibenden in dem Werke Bachjas, das schon durch seine sinnige Benennung „Herzenspflichten" bekundet, dass der Schwerpunkt der Frömmigkeit auf die innere Gesinnung und nicht auf die rituelle praktischen Uebung gelegt werden müsse. An diesen Mann, das hebt Geiger mit besonderem Nachdruck hervor, der Dajan, religiöser Führer seiner Gemeinde war, wurde einst eine Ritualfrage aus einem entlegenen Gebiete des jüdischen Ceremonialwesens gerichtet. Seine Antwort lautete: „Mein Lieber, Du musst wohl schon sehr weit ausgerüstet sein in der Ausbildung Deines Herzens. Bist Du wirklich schon so ganz mit Dir selbst im Reinen, dass Du solch Fremdartiges zu erforschen die Müsse hast?" — Geiger fügt dem hinzu: „Eine schöne Zeit, der ein solcher Mann angehört." In Maimonides fesselt ihn die grossangelegte sittliche Persönlichkeit. Auch in seinen Schriften sucht er nach dem Ewigbleibenden, nach dem sittlichen Motiv, das der Forschung dieses grossen Denkers zugrunde lag. Mit freudiger Genugtuung zitiert er Maimonides Worte: „Kurzum, ich bin nun so. Wenn mich der Gedanke drängt und ich kann ihn bloss in der Weise darstellen, dass er Einen unter Zehntausenden, einen Denkenden befriedigt und fördert, während er vielleicht der grossen Masse unerträglich scheint, so spreche ich kühn und offen das Wort aus, das den Vernünftigen

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