Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2273546-2273603--1611-2275395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 61 - Eine übersichtliche Darstellung des Gesamtverlaufs der Geschichte krönte diese Studien. Die Vorlesungen über „das Judentum und seine Geschichte" fassten, wenn auch in populärer Form, Geigers Anschauungen zusammen. Sie bieten eine grandiose Konzeption von dem Verlaufe der Geschichte des Judentums, von der Entwicklung des religiösen Lebens innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, vom Anteil der Juden an der allgemeinen Kultur. Sie bilden ein dauerndes Denkmal für die historische Veranlagung und die Gestaltungskraft ihres Verfassers, eine Illustration seines Spruches: „Durch Erforschung des Einzelnen zur Erkenntnis des Allgemeinen, durch Kenntnis der Vergangenheit zum Verständnis der Gegenwart, durch Wissen zum Glauben!"1) III. Doch nicht nur durch die eigenen Leistungen hat Abraham Geiger die Wissenschaft gefördert, wir würden seinen Verdiensten nicht gerecht, wenn wir ihn nicht auch betrachteten als Organisator und Anreger wissenschaftlicher Arbeit. Da müssen wir vor allem seiner beiden Zeitschriften2) gedenken: Die „Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie" war, wenn wir von dem einen Jahrgang der Zunz'schen Zeitschrift absehen, die erste ihrer Art unter den Juden. Es ist bezeichnend für die Kühnheit des damals Fünfundzwanzigjährigen, dass er mit einem solchen Plane in die Oeffentlichkeit zu treten und ihn durchzuführen vermochte, für sein Ansehen, dass es ihm gelang, einen Kranz der gefeiertestenGelehrtennamen um sich zu vereinen. Das verdankt die Zeitschrift ihrem Grundsatz: keiner bestimmten theologischen Ansicht zu huldigen, im Gegenteil, für eine jede, wissenschaftliche Verfechter aufzuzeigen3), und es ist sicherlich keine wertlose Anerkennung, wenn einer der schärfsten Gegner Geigers ihr bestätigt, dass sie „Bewegung und Rührigkeit in jüdische Kreise gebracht, einen regen wissenschaftlichen Blutumlauf erzeugt" hat.4). ») Nachgelassene Sehr. V, S. 278. 2) Wissenschaftliche Zeitschrift für jüd. Theol. 1835 ff., 6 Bde., Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben, 1862 ff., 11 Bde. •) Nachgelassene Schriften V, S. 81, 83. 4) Graetz, Geschichte der Juden, XI2, S. 468.