Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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— 59 — in jungen Jahren gefasssten Plänen gehörte ein umfassendes Werk über die jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters, begleitet von der Herausgabe ihrer Werke. Wenn der Plan auch nicht verwirklicht wurde, so hat doch Geiger, soweit ich sehen kann, als der Erste die wichtigsten Systeme kurz dargestellt und miteinander verglichen. Von hier aus hat er eine Vertiefung in die Schriften des Maimonides erlangt, mit dem er sich lange beschäftigte, dem er eine feine Charakteristik widmete, von dem er viel Unveröffentlichtes edierte. In dasselbe Gebiet gehören seine Abhandlungen über die Zweifler Josef Salomo del Medigo und Juda da Modena mit ihren interessanten literarhistorischen Untersuchungen. Es schliesst sich an die Darstellung der fast vergessenen jüdischen Apologetik im Mittelalter. Geiger, der stets mannhaft seinen jüdischen Glauben verteidigte, mit scharfer Feder auf die Angriffe christlicher Gelehrter und die feindseligen Massnahmen christlicher Behörden erwiderte, gab in diesen „Proben jüdischer Verteidigung im Mittelalter," wichtiges und lehrreiches Material für die Geschichte der religiösen Kämpfe und die Ausprägung der religiösen Lehren des Judentums. Er hat an der Wiederentdeckung der jüdischen Dichtkunst in Spanien den regsten Anteil genommen, Salomo Gabirol und Jehuda Halevi verdanken ihm ihre Erweckung; durch die wohlgelungenen Nachbildungen ihrer Dichtimgen wurde das Verständnis ihrer Poesie in weiteste Kreise getragen. Weit zentralere Punkte der jüdischen Literatur wurden in den zahlreichen Studien über die Sprachforschung und die jüdische Bibelexegese des Mittelalters berührt. Geiger hat hier Abschliessendes und Epochemachendes geleistet in Abhandlungen, die so meisterhaft hebräisch stilisiert sind, dass man es fast nicht versteht, wenn er anderswo die hebräische Sprache in scharfen Gegensatz zur Muttersprache stellt. Dem Bibeltext selbst, seiner Geschichte, seinen Ueberarbeitungen und Uebersetzungen ist die „Urschrift" gewidmet, dasjenige Werk Geigers, welches die meiste Beachtung, ernste Befehdung und begeisterte Anerkennung gefunden hat, das sicherlich den Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Leistungen bedeutet. Die dort vorgetragene Theorie, dass die Auffassung und Gestaltung des Bibeltextes abhängig war von den wechselnden