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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1911-01-01 · 1911 · page 58

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1911
Date
1911-01-01
Page
– (sequence 58)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273603--1608-2275392
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— 58 - II. Der Theologe Geiger fand seine Stütze an dem Gelehrten. Historische Theologie treiben hiess, das Judentum in seiner geschichtlichen Entwicklung studieren und darstellen *). Dazu war Geiger wie kein Zweiter berufen. Die Aufgabe entsprach dem besten Teil seiner Begabung, der innersten Neigung seines Herzens. Ihm wandelte sich alle Erkenntnis in geschichtliche um, er sah alles im Lichte der Geschichte, gern und gründlich forschte er in ihren Annalen. Ein unermüdlicher Schatzgräber, stieg er hinab in die verborgenen Tiefen, die Quellen zu ergründen; sein heller Geist brachte Licht in die dunkelsten Epochen. Kein Gebiet des geistigen Lebens, der kulturellen Betätigung des Judentums wurde ausser Acht gelassen. Aber nirgends verloren sich Geigers Forschungen in literarhistorische Kleinlichkeiten, stets richtete er vielmehr seine Aufmerksamkeit auf den Gedankengehalt des Autors, auf das geistige Leben der Epoche, die er behandelte, auf die Auffassung vom Judentum, die Gestaltungsform, den Entwicklungsgrad der jüdischen Religion. Ein Historiker von grosser Meisterschaft überblickte er mit intuitiver Sicherheit die inneren Zusammenhänge, hörte er mit feinem Verständnis die Weckstimmen jeder Zeit. Eine gediegene philologische Schulung im Hebräischen und den verwandten semitischen Sprachen befähigten ihn zu exakten quellenmässigen Untersuchungen, die die verschiedensten Seiten des Geisteslebens der Juden betrafen und die neu erblühende Wissenschaft des Judentums kräftig förderten. Es ist eine erstaunliche Vielseitigkeit, Schaffenskraft und Schaffensfreudigkeit, die in seinen Werken sich kundgibt: eine fast enzyklopädische Beherrschung des weitschichtigen Gebietes, eine seltene Uebersicht über das Ganze, eine bewundernswerte Sicherheit im Urteil über das Einzelne. Es ist unmöglich, aus den zahllosen Abhandlungen und Werken Geigers hier Einzelnes herauszugreifen, nur die Richtlinien seiner Betätigung sollen kurz skizziert werden2). Zu den *) Allg. Zeitg. d. Jdt. LX, S. 80. 2) Eine Uebersicht über die wissenschaftlichen Leistungen Geigers gibt das S. 56 Anm. 3 genannte Werk S. 3J.6 ffJ Vgl. dort auch die Bibliographie seiner Schriften S, 416ff.

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