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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1910-01-01 · 1910 · page 72

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1910
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 72)
Language
German
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— 73 — wurden hervorgehoben und erbauliche Betrachtungen daran ange- - knüpft, während ganze Perioden, die für diesen Zweck nichts abgaben — wie z. B. die lange und ruhmreiche Regierung Omri's — mit einem stereotypen Urteil abgetan sind. Diesem einseitigen Gesichtspunkt.- ist es zuzuschreiben, dass wir über die Glanzzeit des Nordreiches so wenig erfahren. Noch schlimmer würde es damit aussehen, wären nicht in den Prophetenerzählungen über Elias, Elisa, Michajah ben Jimla, so viele Erinnerungen aus den Syrerkriegen erhalten. Diese Geschichtsschreibung des 7.—6. Jahrhunderts steht in literarischer Hinsicht unter dem tEinfluss des Jeremias und des Deuteronomiums. Wie in diesen ist eine Lockerung des Stils bemerkbar. Die erzählende Prosa nimmt einen rednerischen, oft einen rhetorischen Ton an; man hört den Propheten, zuweilen den Prediger, namentlich in den breiten Ausführungen zur Nutzanwendung der Geschichte. Einen eigenen Reiz hat aber auch dieser Stil, wenigstens in den edleren Beispielen; er ist von einem tiefen sittlichen und religiösen Ernst getragen, und erhebt sich nicht selten zur wirklichen Beredsamkeit. Die pragmatische Geschichte Israels und Judahs, die uns in den Königsbüchern vorliegt, hat alle ändere Geschichte jenes Zeitalters verdrängt; unsere Kenntnis dieser Periode beschränkt sich im grossen und ganzen — ausser dem chronologisch-annalistischen Rahmen — auf dasjenige, was die Verfasser für lehrreich und erbaulich oder von ihrem Standpunkt für besonders interessant hielten. So schwer wir nun die Mängel der tendenziösen Geschichtsschreibung von dieser Seite empfinden, so müssen wir andererseits anerkennen, dass in derselben der Ansatz zu einer philosophischen Geschichtsbetrachtung liegt. Die Geschichte ist nicht eine zufällige Zeitreihe von Geschehnissen, sondern eine sittliche Ordnung, die nicht' allein Israel, sondern die Weltmächte, welche Gott als Werkzeuge der Strafe oder der Rettung gebraucht, in sich schliesst; die korrelativen Ideen der Einheit Gottes und der Einheit der Geschichte ergeben sich aus der sittlichen Auffassung der Geschichte. Die Propheten lehren aber nicht nur, dass das Schicksal der Völker durch ihr sittliches Verhalten bestimmt ist — das moralische Moment, sondern sie erkennen auch das teleologische Moment. Das Wesentliche in den sogenannten Messianischen Weissagungen ist der Glaube, dass Gott eine gute Welt will, und dass die Weltgeschichte, durch -alle ihre wechselnden Konstellationen, auf die gute Welt, die da

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