Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1910
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
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74 — sein soll, gerichtet ist. Auch dieser Gedanke ist von den Historikern übernommen worden. Der Untergang des Königreiches Judah machte dieser Historiographie ein Ende. Die Katastrophe selber bildete den passenden Abschluss eines Werkes, das die Geschichte als Gericht Gottes auffasst. Es folgte eine lange geschichtslose Zeit unter der Fremdherrschaft — Jahrhunderte, aus denen nur vereinzelte Tatsachen erhalten sind. Im Tempelarehive waren Urkunden und Privilegien aufbewahrt; wichtige Vorgänge, wie der Neubau des Tempels, besonders solche, die mit der Erfüllung der nationalon Hoffnung in Verbindung zu stehen schienen, wurden aufgezeichnet; ein Nehemias verfasste eine Denkschrift über seine Verdienste um die Befestigung Jerusalems und die Ordnung der inneren Zustände der Gemeinde; aber zur Geschichtsschreibung fehlten alle Bedingungen, fehlte auch jeder Anlass. Die Chronik bietet eine Geschichte Judahs, hauptsächlich auf Grund der Königsbücher, unter dem Gesichtspunkt eines noch einseitigeren Pragmatismus; der Verfasser scheut sich nicht, die Ueberlieferung gelegentlich nach den Forderungen der Theorie zurechtzumachen, und fügt aus freien Stücken paradigmatische Erzählungen hinzu. Der Stil ist hölzern und ungelenk, die Sprache in offenbarem Verfall. Der Aufstand gegen Antiochus Epiphanes, der Kampf um Religion und Freiheit unter der Führung der Makkabäer, die Herstellung eines unabhängigen jüdischen Staates weckte das Volksbewusstsein wieder auf; man blickte mit Stolz auf die Gegonwart und sah mit Zuversicht einer noch glorreicheren Zukunft entgegen. Da griff der Historiker wieder zur Feder. Das ersto Makkabäeri>uch ist das Gegenstück zu der Geschichte der Befreiung Israels und der Gründung des Königtums durch Saul und David, neben welcher es nicht unwürdig dasteht. Nur zu bald aber ging die Hasmonäische Herrlichkeit traurig zu Grunde, und mit ihr nahm die hebräische Geschichtsschreibung ein Ende. Druck von H. Itzkowski, Berlin, Anguststr. 69.