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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1910-01-01 · 1910 · page 45

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1910
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273601--1521-2275304
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— 46 — man für die Ritualgesetzgebung festhalten möchte, da man diese durchaus nicht in einem Gegensatze zur Sittenlehre denkt, sondern lediglich als ein Vehikel derselben. An diesem Punkte wird der Paulinismus heute, wie ehedem, subjektiv, und daher uugerecht; wie richtig sonst immerhin das prinzipielle Urteil über den Wert alles besonderen Gottesdienstes sein mag. Der Unterschied zwischen der sittlichen und der Ritualgesetzgebung wird im alten Judentum etwa gedacht, wie der Unterschied zwischen reiner und angewandter Sittenlehre. Die Offenbarung muss daher beide Lehren enthalten, auch die der sittlichen Vernunft, obgleich diese auch an sich selbständig bleibt. Und Saadj a spricht den grossen Gedanken aus: Wenn Jemand sage, die Sittenlehre sei nur in derThora enthalten, nicht aber in der Vernunft, „so höre mit einem solchen Menschen jede Möglichkeit der Diskussion auf." So rückhaltlos wird die Vernunft als die Control-Instanz der Thora festgehalten. Aehnlich heisst es bei Bachja ibn Pakuda (im 11. Jahrh.) in seinem Buche von den „Pflichten der Herzen" (nashn main), welches vielleicht in der gesamten Literatur aller Völker das populärste philosophische Buch geworden ist: „es sei ein Verführungsmittel des bösen Triebes, die Skepsis anzuregen, dass es eigentlich doch mit der Offenbarung genug sei, und dass man der Pflege der Vernunft nicht bedürfe".1) Es gehört bei ihm zur „Rechtfertigung der Seele" (t^sn pst^n), vor dieser Einflüsterung des „bösen Geistes" auf der Hut zu sein. So wird in der Vernunft, als der unerschöpflichen und der unumgänglichen Quelle der Sittlichkeit, die unverletzliche Grundlage der Religion anerkannt. Es fehlt nicht viel, dass auch die Souveränität der Vernunft anerkannt würde, wobei ja freilich die der Offenbarung unangetastet bleiben müsste, und nicht etwa ausdrücklich an die zweite Stelle gerückt werden dürfte. x)... -pijwo vSy nivntr no nß'Din nb -jmsm? awnnp nitun i*oi?n Ski sinne» i»3»jd nenn nu^ayn nna« by npnoi i»yo inin bwv *p nuTi nneo nt nt bso ntyno ^oam . . . moji nan Lass dich nicht im Düukel zu der Meinung verleiten, dass deine Erkenntnis gegenüber dem in der Jugend Erworbenen nichts hinzufügt, denn es gehört zu den Verführungsmitteln des bösen Triebes, dass er dich wankend macht, über die Wahrheit der Dinge nachzudenken und zu forschen, so dass du dir wie ein vollendeter Weiser vorkommst; doch nur der Tor verschliesst sich all diesen Dingen (und wandelt in Finsternis). Bachja VIII, 3. ed. Stern S. 389 f.; vgl. das. Einleitung S. 12 und 1,3. S. 37fi.

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