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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1910-01-01 · 1910 · page 41

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1910
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273601--1517-2275300
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— 42 — ■war aber für ihn nur Philosophie; die Philosophie allein Eeligion. Den Grund alles Uebels, das in der Abhängigkeit der Religion und Philosophie vom Staate besteht, und das er durchaus abschaffen ^wollte, sah er daher in der Theokratie des jüdischen Staates. So entstand ihm die Theorie: Die jüdische Religion wollte nur ein Volk und einen Staat begründen. Mendelssohn dagegen vertrat die Ansicht, dass das Judentum seinem Glaubensinhalte nach nichts Anderes als „natürliche Religion" sei. Das klang sehr schön; und dieses Urteil schien lediglich aus dem Rationalismus des 18. Jahrhunderts erflossen zu sein. Wie viel sachliche Richtigkeit dieser Ansicht beiwohnt, insofern vornehmlich das Glaubenssystem in Betracht kommt, das konnten nur diejenigen Juden verstehen, denen ihre Religionsphilosophie nicht unbekannt war. Allgemein konnte man glauben, es sei dies eine historische Idealisierung, wie sie aus dem Gesichtspunkte des Rationalismus so mannigfach versucht wurde. Kant drückte daher seine Verwunderung darüber in der höflichen Form aus, dass er ihm schreibt: „Sie haben Ihre Religion mit einem solchen Grade von Gewissensfreiheit zu vereinigen gewusst, die man ihr gar nicht zugetraut hätte, und dergleichen sich keine andere rühmen kann."1) Durch den Nachsatz deutet er scharf genug den Zweifel an dieser Konstruktion an. Kant selbst war jedoch dieser Frage gegenüber wegen seiner eigenen publizistischen Pläne nicht unbefangen. Er wollte die Preußsische Landeskirche und dazu die oberste Zensurbehörde zu seiner Religionsphilosophie bekehren. Dafür passte ihm Spinozas Charakteristik des Judentums besser, um dagegen seine Idealisierung des Christentums kontrastieren zu lassen. In seinen eigenen Ausführungen lässt er daher nichts davon merken, dass Mendelssohn ihn überzeugt hätte, wohl aber ist er ausnahmsweise hier dem ihm sonst unsympathischen Spinoza gefolgt, sodass er seine eigene Ansicht in dem ungeheuerlichen Satze pointiert: das Judentum sei „eigentlich gar keine Religion"; denn: „der jüdische Glaube ist seiner ursprünglichen Einrichtung nach ein Inbegriff bloss statutarischer Gesetze, auf welchen eine i Staatsverfassung gegründet war".2) Es entsteht somit hier J) Briefe, Ausg. d. Akademie. Bd. I, S. 326. 2) Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft (S. W. Ausg. Hartenstein Bd VI, S. 224).

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