Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2273546-2273599--1471-2275253- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 82 — reinen^ selbstlosen — sagen wir es wieder — eines mütterlichen Herzens. Mit diesem Worte aber seien wir nun endlich gemahnt an die Pflicht der Würdigung dessen, was sie Ihnen gewesen ist, meine werten Leidtragenden. Sie wissen es, warum ich vorher und so nachdrücklich von ihren unsterblichen Verdiensten um unsere Lehranstalt gesprochen habe. Es ist der teueren Toten eigener Wunsch, der mir dem Zöglinge diesor Anstalt, hier das Wort gegeben hat. Er ist ein Zeichen, wie sie den Platz einschätzte, den in ihrem Lebenswerke und in ihrem Herzen unser Institut einnahm. Wie deutlich aber ist es uns in dieser Stunde, dass in ihrem Wirken .dort sich dieselbe Gesinnung wiederspiegelt, die sie auch an Ihnen betätigte; denn auch hier, von diesem, ihrem eigentlichen mütterlichen und ihrem häuslichen Walten gilt wie dort das Wort: |V fuam yisi Auch hier war ihr Sinn auf Edeles gerichtet und auf dem Edeln bestand sie. Nicht nur, dass sie mit Aufopferung und hingebender Liebe einst für ihrer Kinder leibliches und geistiges Gedeihen wie eben eine Mutter besorgt war. Ihre vor" nehme und doch starke sittliche Gesinnung drängte sie vor allem, die Ihren zur gleichen Höhe zu erheben. So ward sie nicht müde, mit Ernst und Eifer, mit sicherem Urteil und zugleich mit dem klarsten Verständnis für die Besonderheit jedes Einzelnen erst den Kindern' und dann den Enkeln die Wege zu hohen, edlen Zielen zu weisen und ihnen die Weihe wie den Segen ernster, sittlicher Lebensarbeit zu erschliessen. Und sie bestand auf dem, was sie als edel 'erkannte, auf ihren humanitären und . jüdischen'Idealen: wir wissen, wie sie es verstand; die-verewigte Gattin des ältesten Sohnes zu einer rührigen, begeisterten Vertreterin1 jüdischer Interessen zu machen; wiesie die Söhne zu humanem Wirken anfeuerte und freudig ihren Berichten darüber lauschte; und wie sie* nicht zuletzt auch der' Arbeit für des Gatten: und ihre Lebensschöpfung, unsere Lehranstalt, zu deren Segen sie dienstbar zu machen wüsste. Dabei aber richtete sich-diese Energie des- -Wollens doch nur auf ihre Ideale«; ihre Person" blieb im; Hintergründe, bescheiden für sich, freigebig dagegen; wo es-galt;' andere aus Familien» und Freundeskreis 2u erfreuen.-1 Dies, werte Leidtragende, andächtige Traueraraaimnlung; ist das-reiche, für und für gesegnete Leben, das hierin diesem