Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
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— 81 — trat das bis dabin ihr ferner liegende Interesse für das Judentum. Mit einem für eine Frau von damals bewunderungswürdigen Verständnis erfasste sie bald einen Lieblingsgedanken ihres Gatten in seiner ganzen * weittragenden Bedeutung. Er hatte die auch heut noch in der Judenheit nicht genug verbreitete Erkenntnis, dass von einer Gesamtheit erst recht das Wort gilt on«n nw vra »m-brby "2 m«n .w roh vrfarfy ah \d es lebt der Mensch nicht voni Brode allein, sondern vollends von dem, was aus Gott stammt, vom Geiste; mit anderen Worten, dass das gemeinnützige Wirken und der Opfermut unserer Besitzenden und Edeldenkowleu nicht in der Fürsorge für der Armen leibliche Notdurft sich erschöpfen dürfen, sondern vor allem auch der Sorge für die Thora, für die Pflege und Weiterbildung der von der Gemeinschaft besessenen religiössittlichen Warheit, ihrem Daseinsgrunde, zu gelten habe. So sann er, der Edle, mit anderen erleuchteten Geistern auf die Gründung einer Hochschule für dio Wissenschaft des Judentums. Ach, er durfte die edle Tat nur sinnen, musste scheiden vor ihrer Ausführung. Da war sie es, die mit ihm gesonnen, die "nun auch erfüllte das Wort rrcwSy wm und auf edler Tat beharrt, wer selber edel ist. Sie trat an seine Stelle, sie wurde Gründerin der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Was sie ihr gewesen ist, wie sie zu ihr gestanden, schützend, lebenerhaltend, in den Jahrzehnten des ersten schwersten Daseinskampfes, bis sie mit uns sich lichterer, zukunftsfroherer Zeiten freuen durfte, wie sie keinen Anlass vorübergehen liess, um der Lehranstalt, ihrem teueren Kinde, ihre nie weichende Liebe zu bekunden, — ihr jüngst verewigter Freund und Gesinnungsgenosse, unser unvergesslicher Salomon Neumann nannte sie treffend bei der 25. Jahrfeier unserer Anstalt deren Mutter— das wird ein berufenerer Mund hier noch aussprechen. Mir sei vergönnt, nur eines hervorzuheben, was von allen, die in Sachen der Lehranstalt mit ihr in Berührung traten, sicherlich wohltuend und dankbar empfunden wurde: ihre Art, vorzusorgen und..zu spenden. Das war msv in dem Sinne, den das Wort auch einschliesst: freie, vom Herzen eingegebene Tat; da. war kein fremdes, eigensüchtiges Motiv, keine Spur von Selbstgefälligkeit und elteler Befriedigung, sie sorgte, sie gab mit der Selbstverständlichkeit und doch wieder der Wärme und Zartheit eines 6