Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 79)
- Language
- German
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— 80 — regt sich mit neuer Kraft in uns in dieser Seheidestunde, sie will ihren Zoll niederlegen an der Bahre der teueren Entschlafenen, sie will zum Abschiede ihr sagen, was sie uns war und was sie uns bleibt, in welcher Gestalt, in welchem Bilde sie unaustilgbar fortlebt in unseren Seelen. Dieses Bild ihres Wesens und Wirkens aber, es ist geschildert und sei darum für uns festgehalten mit dem Worte .des Propheten Kp* rtcnrfy «m f*r reans sna ,,Wer edel ist, sinnet auf edele Tat und er bestehet auf edeler Tat." Das Wort 3*72 mit seinem Doppelsinne: edel von Geburt und edel von Gesinnung, es gilt von unserer Heimgegangenen, die beides in sich vereinigte, die ihrer Herkunft aus einem gesellschaftlich und geistig hochstehenden Elternhause durch die Höhe ihres geistigen und sittlichen Strebens allezeit entsprochen hat. Dort, wo Bildung und Wohlstand sich zu einem würdigen Bunde zusammenfanden, wo ein für das gebildete Judentum der nachmendelssohnschen Zeit charakteristisches, vielseitig angeregtes, von den mannigfachsten Bildungsinteressen erfülltes geselliges Leben herrschte, wo feine Geister von der Art eines Ernst Curtius aus- und eingingen, dort, unter solchen Eindrücken, bildeten in der jugendlichen Weibesseele sich die Empfänglichkeit für das Schöne und Hohe, das trotz ihres zurückgezogenen Lebens bis in ihre letzten Tage bekundete lebendige Interesse für alle bedeutenden Begebenheiten, die allem Guten und Edlen zugewandte, vornehme Gesinnung. Dort pflegte sie frühe schon die edle Tonkunst, der sie mit Begeisterung und hohem Verständnis ergeben war bis in ihre letzten Tage, der sie, begabt mit einer schönen Stimme, selber, zu ihrer und zu vieler anderer Freude bis in ihr hohes Alter dienen durfte.— Dieser für alles Hohe und Schöne erschlossene Sinn, des Elternhauses edle Mitgabe, entfaltete sich aber erst zu reinster und höchster Blüte, als sie an des gleichgearteten Gatten Seite trat. Auch er ein yjr rtara ein Edler, der edle Taten sann, auch er der Spross einer alten Berliner Familie, der seinen Gesinnungsadel betätigte im Ehrendienste der Vaterstadt, deren Verwaltung, Armenpflege und Finanzwesen besonders, er seine besten Kräfte widmete. Ihm trat sie zur Seite als eine seine Ziele immer verständnisvoller erfassende und kräftig fördernd» Gefährtin. Und an seiner Seite wiederum wuchsen und erweiterten sich auch ihre Ideale: zu rein humanen Bestrebungen.