Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
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- 71 — dischen Quellen zu ermitteln suchte. Seine Forschungen auf diesem Gebiete sind grundlegend, und wie in seinen anderen Schriften, so zeigt sich auch hier der vielseitige und umsichtige Gelehrte, der alle Materialien aus verschiedenen Literaturen und verschiedenen Perioden sammelt, um die Spuren mancher wichtigen Ereignisse aufzudecken und in das richtige Licht zu stellen. Eine besondere Freude war es für ihn, wenn er seine indischen Studien in den Dienst der jüdischen Wissenschaft stellen konnte. Die Beziehungen des Orients und insbesondere des Bibellandes zu Indien waren eine seiner Lieblingastudien. So gering diese Beziehungen im biblischen Altertum auch waren, da sie sich doch im Grunde kaum auf mehr als einige Handelsartikel und Wörter erstreckten, so verstand er es doch, die fast verwischten Verbindungslinien blosszulegen und den indischen Ursprung gewisser hebräischer Wörter und in der Bibel erwähnten Handelswaren festzustellen. In einer ausserordentlich gelehrten und interessanten Schrift über die Lage der vielumstrittenen 0 f i r und Tarschisch legte er vor einigen Jahren das Resultat seiner Studien über diese Länder nieder und suchte auf Grund einer erstaunlichen Fülle von Materialien aus dem griechischen, römischen, rabbinischen Schrifttum und auch der portugiesischen Reiseliteratur des 15. und 16. Jahrhunderts die erwähnten Orte näher zu bestimmen. Auch die Versuche, das Christentum mit dem Buddhismus in Verbindung zu bringen, erregten seine Aufmerksamkeit, er beabsichtigte, sich mit dieser Frage eingehend zu beschäftigen. Leider gehörte die Bearbeitung dieser Frage zu denjenigen seiner Bestrebungen, denen sein Tod ein vorzeitiges Ziel setzte. „Ich will", sagte er mir einmal, „solchen Versuchen ganz energisch entgegentreten. Die Nachkommen derselben Leute, die die Verdienste der Juden um Kultur und Religion schmälern wollen, werden mir für einen Kampf gegen solche Verirrungen dankbar sein." Er war von der Ewigkeit des Judentums überzeugt, er glaubte unerschütterlich an die Weltmission der jüdischen Religion, er hegte die Zuversicht, dass das jüdische Ideal sich am Ende doch durchsetzen wird. Auch glaubte er fest an die Unvergänglichkeit des jüdischen Volkes, von dem schon der Psalmist gesagt hat: „Und es wandert von einem Volke zum andern und von einem Reiche zu anderen Nationen", des Volkes, das von einer Kultur