Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
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— 70 — beherrschten nicht sein Inneres, beeinflussten nicht seine religiöse oder ethische Ueberzeugung. Die heidnische Götterwelt blieb ihm für immer fremd, die buddhistische Lebensentsaguug vermochte ihn nicht zu begeistern. Der Buddhismus war für ihn Gegenstand wissenschaftlicher Forschung, nicht aber eine persönliche Weltanschauung. In seinen innersten Ueberzeugungen und Gefühlen war er vom jüdisch-religiösen und jüdisclwethischen Ideal durchdrungen. Er war der Ueberzeugung, dass, wenn überhaupt, es nur eine Religion"gibt, die den Philosophen befriedigen kann, daas es nur oine Ethik gibt, dio dorn Kulturgift Widerstand zu leisten vermag, und so blieb er dem Judentum treu. In seinem Suchen nach religiöser und ethischer Wahrheit hat er sich nicht von Opportunitätsgründeu leiten lassen. Er blieb standhaft, unbeugsam. Er befolgte nicht den Weg so mancher unserer jüdischen Zeitgenossen, die, von irgend einem Irrlicht verleitet, ihrer Vergangenheit den Rücken kehren und nur in seltenen Fällen und erst nach vielen bitteren Enttäuschungen und Kämpfen zu uns zurückkehren. Er war ein guter Jude und blieb es bis zuletzt. Selbst dort, wo er es nicht nötig hatte, weder aus Gegensatz noch aus irgend einem anderen Grunde sich als Jude auszugeben, dort in Indien, wo er ganz allein lebte, betonte er seine jüdische Abstammung, seinen. jüdischen Standpunkt und bekannte sich mit Stolz zu jenem Volke, dessen Ruhm, „ein Volk von Schreibern und Gesetzgebern" zu sein, schon vor mehr denn 3000 Jahren im Deborah - Liede gefeiert wurde! In seinen Bekanntenkreisen nannte man ihn „The hebrew Scholar", den jüdischen Gelehrten, obwohl das Sanskrit-Fach, das er an der Madras-Universität zu vertreten hatte, ganz und gar nichts mit dem Judentum zu tun hatte. Es war aber sein Stolz, „hebrew Scholar" genannt zu werden, und er orachteto^es als eine besondere Anerkennung der Verdienste seines Volkes, wenn man ihn den „jüdischen Gelehrten" nannte. Von welch starkem jüdischen Bewusstsein muss Oppert durchdrungen gewesen sein, wie stark muss die Familientradition und die eigene Überzeugung auf ihn gewirkt haben! Wie stark andererseits sein Bestreben war, auch dort in einer zum Teil heidnischen, zum Teil christlichen und muhammedanischen Umgebung nicht aus dem Kontakt mit der jüdischen Welt und der jüdischen Wissenschaft zu geraten, kennzeichnet der Umstand, dass er in Indien der Frage nach der Abstammung der dortigen schwarzen Juden näher trat und über-ihre Herkunft genauere Daten aus in-