Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 68)
- Language
- German
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— 69 — bindungsfäden nicht sichtbar sind. Neben sorgfältigen, mit aller Gewissenhaftigkeit einer fast pedantischen Variantenakribie durchgeführten Editionen indischer Texte lieferte er ein stattliches Werk über die Geschichte der indischen Völker, und am Ende seines Lebens schritt-, er an die Ausführung eines grossen von ihm Jahrzehnte hindurch vorbereiteten Planes, die Götterwelt Indiens und die Kulturgeschichte der Inder in einem vielbändigen Werke darzustellen. Der Tod hinderte ihn aber daran, das ganze Unternehmen auszuführen. Nur einen ganz kleinen Abschnitt dieses-gross angelegten Werkes vermochte er kurz vor seinem Ableben zu bearbeiten. Und welche Fülle von Gedanken, von Anregungen treten uns in diesen Blättern entgegen! Einundzwanzig Jahre hat Oppert in Indien zugebracht. Nie aber wurde er seiner Heimat und seinem Vaterlande entfremdet, obschon er in Madras ein schönes Heim gefunden hatte und in England, dem Sitz der indologischen Wissenschaft, immer mehr Freunde hatte, als in Deutschland. Lange genug hat er sich nach der Heimat gesehnt, und kaum waren seine Dienstjahre zu Ende, so dachte er an eine Rückkehr nach Deutschland. Es war daher für ihn eine .grosse Freude, als Albrecht Weber ihm schrieb, er solle doch nach Berlin kommen und sich von nun ab an einer deutschen Universität betätigen. Gleichzeitig stellte er ihm eine seinen Verdiensten entsprechende Beförderung in Aussicht. Mit wahrhafter Freude folgte Oppert dem Ruf Albrecht Weber's, es kam ihm vor, als sei er wieder in die Arme der Mutter zurückgerufen worden. Leider musste er aber die Enttäuschung erleben, dass seine Tätigkeit nicht in dem Masse gewürdigt wurde, wie Albrecht Weber es sich gedacht hatte. Trotzdem war er nicht erbittert, wie manche andere; er grollte nicht und tadelte nicht, sondern war zufrieden, dass ihm die Möglichkeit gegeben war, als Lehrer zu wirken, wenn er auch seine Lehrtätigkeit nur auf zwei indische Dialekte beschränken musste, die begreiflicherweise nur das Interesse weniger Spezialisten zu erregen vermochten. Oppert hat sein ganzes Leben hauptsächlich der indischen Wissenschaft gewidmet. Er drang in die Sprachen der indischen Völker, in ihre Kultur, Geschichte, Literatur und Religionsphilosophie ein und war einer der besten Kenner des indischen Heidentums. Allein alles dieses beschäftigte nur seinen wissenschaftlichen Sinn. Die indische Philosophie, der Buddhismus