Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
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— 67 — den Besitz der Bodleiana gelangt sind. Mit grosser Liebe und seltener Hingabe widmete er sich dieser Arbeit und führte sie in auffallend kurzer Zeit in mustergültiger Weise zu Ende. Der Lohn blieb nicht aus! Schon kurze Zeit hierauf wurde er auf Empfehlung Max Müllers als Bibliothekar an die Privatbibliothek der Königin Viktoria in Windsor berufen, wo er einige Jahre für die Bibliothek und für sich ileissig arbeitete. Dort genoss er das Wohlwollen des Hofes in hohem Masse und stand auch persönlich bei der Königin Viktoria in hohem Ansehen. Allein sein aufwärts strebender wissenschaftlicher Geist konnte sich auf die Dauer mit einer solchen, vielfach etwas mechanischen Arbeit nicht zufriedengeben. Erhörte nicht auf, in tief eindringender Weise wissenschaftlich zu arbeiten und zu forschen. Seiue neuen wissenschaftlichen Arbeiten machten ihm einen Namen, und nach kurzer Zeit erhielt er einen ehrenvollen Ruf aueine der bedeutendsten Universitäten Indiens, an die Madras- Universität. Da galt es für Opfert, eine Entscheidung zu treffen, die ihm sehr schwer fiel. Es war für mich immer rührend, ihn v.on jenen inneren Kämpfen erzählen zu hören, die er damals durchzumachen hatte. Sollte er seine Hoffnung, an eine deutsche Universität zu kommen, endgültig aufgeben? Er, der diesem Ziele schon so manche Opfer gebracht hatte, sollte sich entschliessen, sich soweit von der Heimat, soweit von der Familie, soweit von einem wissenschaftlichen Zentrum zu entfernen? Bitter und traurig waren für ihn jene Stunden, in denen ihm wohl im fernen Osten eine glänzende Zukunft entgegenlachte, die er aber nur durch schmerzliche Trennung von so vielem, was ihm teuer war, erreichen konnte. Allein seine grosse Hinneigung zur Lehrtätigkeit, die von jeher so stark und so mächtig in ihm war, behielt doch zuletzt die Oberhand, und 8o ging er über den stillen Ozean, den Blick stets rückwärts gewandt. Nie hat ihn die Hoffnung verlassen, zuletzt doch nach Deutschland zurückzukommen. Diese Hoffnung war es auch die ihm dort in der anfangs für ihn völlig fremden Welt den Mut gab, zu arbeiten und zu wirken, bis er dort einen Kreis Von Schülern, Freunden und Verehrern gefunden, die ihm mit der Zeit ein Heim des Herzens und des Geistes geworden sind. In der Zeit von 21 Jahren seiner Lehrtätigkeit an der Madras-Universität lag auch der bedeutendste Abschnitt seines Lebenswerkes. Dort hat er seine wichtigsten Werke geschrieben