Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
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- 66 — deutschen Ankömmlingen die Wege zu Handel und Industrie in jenem fernen Lande gewesen. Aber auch in diesem grossen Kaufmann lebte ein wissenschaftlicher Geist, und er legte seine langjährigen Reisebeobachtungen und Reisestudien in zwei Werken nieder. Sein Werk „Ueber das verbotene Land Korea", das zuerst in englischer Sprache und dann in deutscher Uebersetzung erschien, ebenso wie seine „Westasiatischen Wanderungen", haben sich einen angesehenen Platz in der Reiseliteratur errungen. Und brauche ich Ihnen erst ausführlich zu schildern, zu welcher Bedeutung es der zweite Bruder, Julius Oppert, brachte? Der bedeutendste und genialste Erforscher Mesopotamiens, der Bahnbrecher auf dem Gebiete der Keilschrift- Entzifferung, war er Jahrzehnte hindurch einer der berühmtesten und gefeiertsten Gelehrten Europas, der Ruhm und der Stolz der französischen Wissenschaft. Von ihm sagte Thiers im Jahre 1871 zu den Chauvinisten, die in ihn drangen, auch Julius Oppert als geborenen Deutschen aus Frankreich auszuweisen: „Wollen Sie, dass wir auch diesen Mann den Preussen als eine Siegestrophäe in die Hände drücken? Wir haben wahrhaftig schon Niederlagen genug erlitten." Nicht minder bedeutend, wenn auch nicht so genial wie Julius Oppert, war unser Gustav Oppert. Seine Bedeutung liegt auf einem anderen Gebiete; aber auch er brachte es bald zu grossem wissenschaftlichen Rufe und lenkte die Aufmerksamkeit von Fachgenossen, vor allem die des berühmten Max Müller, auf sich. Nur war die Zahl seiner Verehrer ausserhalb Deutschlands grösser als im eigenen Vaterlande. Sein Wunsch, seine Fähigkeiten und reichen Kenntnisse in den Dienst der deutschen Wissenschaft zu stellen, seine Hoffnung, in seinem Vaterlande die Anerkennung zu finden, die ihm das Ausland in so reichem Masse zollte, blieben unerfüllt. Er musste im besten Mannesalter nach dem Wänderstab greifen und einem Rufe nach Oxford als Assistent an der dortigen Bodleiana-Bibliothek folgen. Einen gewissen Trost bot es ihm in der bitteren Trennungsstunde, dass ihm dort eine Aufgabe zugedacht wurde, in deren Ausführung er einen Akt der Pietät erblickte. Er sollte nämlich in Oxford die Handschriften- Sammlungen katalogisieren, die von seinem erwähnten Vorfahren Oppenheim stammten, und die nach vielen Wanderungen in'