Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1909-01-01 · 1909 · page 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1909
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 64)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2273546-2273599--1454-2275236
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

— 65 — und Gelehrten des 18. Jahrhunderts, ein Mann, der nicht nur in der talmudischen Wissenschaft einen der ersten Plätze einnahm, sondern der auch mit scharfem Auge über die Grenzen des Ghetto hinausblickte und die Bedeutung der allgemeinen wissenschaftlichen Bestrebungen erkannte. Darum wurde er auch am Hofe des Kaisers Leopold I. von Oesterreich geschätzt und geachtet, und er erfreute sich der persönlichen Huld des Kaisers, die ihm bei seinen Unternehmungen sehr förderlich war. Ihm verdankt noch heute die Wissenschaft die Erhaltung kostbarer Handschriftenschätze, . die er mit Aufwand grosser Mühe und Geldopfer aus allen Gegenden des Orients zu einer Zeit gesammelt hatte, in der man noch fast gar kein Verständnis für derartige Bestrebungen besass. Auch der berühmte Eduard Gans zählte zu den nächsten Verwandten Opperts, und wenn Oppert von seinem „grossen Onkel" sprach, so fühlte man, dass er eine Anerkennung nach der Richtung hin beanspruchte, dass er der Tradition seiner Familie treu geblieben war und sich seiner gelehrten Vorfahren und Verwandten würdig zu erweisen bemüht hatte. Hierbei unterliess er es jedoch nicht, sein Bedauern auszusprechen, dass dieser „grosse Onkel" nicht in jeder Hinsicht, auch den jüdischen Traditionen der Gelehrtenfamilie, treu geblieben war. Das Streben nach Bildung und wissenschaftlicher Betätigung war so allgemein verbreitet und so selbstverständlich in der Oppert'schen Familie, dass selbst diejenigen ihrer Mitglieder, die freiwillig oder gezwungen einen andern als wissenschaftlichen Beruf wählten, dennoch in steter Berührung mit der Wissenschaft zu bleiben suchten. Dieses Streben der Oppert'schen Familie war in ihrer Heimatsstadt Hamburg geradezu sprichwörtlich, und der eine oder der andere junge Oppert wurde zu den grösseren literarischen Abenden, die in den 30 er und 40 er Jahren in Hamburg üblich waren, stets zugezogen, weil die Opperts als sehr bewandert in der deutschen und allgemeinen -7 .Literatur bekannt waren. Von den Brüdern Oppert gelangten drei, ein jeder auf seinem Gebiete, zu hervorragender Bedeutung. Ernst Jakob Oppert war der erste Deutsche, der in der Mitte des vorigen Jahrhunderts Korea bereiste und sehr wertvolle. Beiträge zur Kenntnis dieses in jener Zeit fast unbekannten Landes lieferte. In Shanghai gründete er das erste deutsche Handelshaus, das er Jahre hindurch leitete, und er war es, der vielen 5

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.