Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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— 59der jüdischen Lehrerinnen ein. Auch dürfte auf seine nachdrückliche Anregung die Einführung des jüdischen Religionsunterrichts an den städtischen Lehranstalten zurückzuführen sein. Den Dreyfuss-Prozess würdigte er nach seiner historischen Bedeutung. Die Literatur des Prozesses sammelte er eifrig. Ebenso nahm er tatkräftigen Anteil, wie vorher an dem Blutmordprozess in Xanten, so an dem zu Könitz und sorgte mit Rat und Tat für seine Opfer. Er unterhielt fast täglich Korrespondenz mit dem damals dort als Rabbiner tätigen Dr. Kellermann, mit dem ihn eine herzliche Freundschaft seit jener Zeit verbunden hielt. Auch im Abwehrverein trat er gegen diesen Prozess auf. Während er 1883 in einem Schriftchen „Die neueste Lüge über die israelitische Alliance" die letztere gegen äussere Angriffe verteidigt hatte, machten ihm später neue Anklagen Sorge und brachten ihn auf den Gedanken einer Reorganisation der Alliance in Deutschland sowohl, wie in internationaler Beziehung. Dieser Idee ist die Deutsche Konferenz- Gemeinschaft der Alliance entsprungen. Zuletzt riefen ihn die Greuel von Kischinew wieder auf den Posten. Hier sann er besonders in Gemeinschaft mit dem von ihm sehr geschätzten Dr. Heinrich Meyer Cohn auf Mittel und Wege, um die Welt zum Bewusstsein dieser Kulturschmach zu bringen. Und das war die Zeit, in der ihm der grösste Schmerz seines Lebens wurde. Am 15. Mai 1903 verlor er seine geliebte Frau. Ihrem Andenken darf ein aufrichtiges Wort innigster Verehrung und Dankbarkeit für das, was sie ihrem Manne gewesen, und was sie dadurch seinen Freunden und seiner Sache geleistet hat, der Wahrheit gemäss eingeflochten werden. Der Abend seines Lebens brachte aber seiner wissenschaftlichen Gesinnung eine hohe Befriedigung: die endlich nach unentwegter Kritik erfolgte Konstituierung einer Bibliothekskommission der jüdischen Gemeinde. Ihr Ubergab er den grössten und wertvollsten Teil seiner eigenen Bibliothek. So fügen sich alle diese Daten in sein wissenschaftliches, sein politisches, sein jüdisches Gesinnungsleben natürlich und unumwunden hinein. Dennoch aber fordert dieser Zusammenhang noch eine tiefere Betrachtung, die an das Wesen der Alliance anzuschliessen ist.