Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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- 00 — Sicherlich war es berechtigt, dass, nachdem die Alliance lauge bestanden hatte, in England und in Oesterreich und so endlich auch bei uns in Deutschland eigene Ililfsvereine ins Leben traten, je mehr die Not unserer Glaubensgenossen zum allgemeinen Schrecken neuerdings anwuchs. Indessen könnte man diese Ililfsvereine innerhalb der einzelnen Kulturländer, abgesehen von dem grossen Nutzen, den sie in der Hilfeleistung stiften, zugleich als Vereine zur Propaganda der politischen Kultur und Gesittung betrachten, so dass diesen Hilfsvereinen auch Christen beitreten sollten. Anders aber steht es um den ursprünglichen Sinn der Alliance Israelite Universelle. Sie ist aus dem Urgedanken des messianischen Judentums entsprungen. Daher müssen wir die Verdächtigungen, mit der sie von Anfang an verfolgt wurde, in das allgemeine Missverständnis des messianischen Judentums einbeziehen. Ist diese universelle Alliance etwa ein jüdischer Partikularismus? Wäre dies der Fall, so dürfte es nicht nur kein Judentum als Weltreligion mehr geben, sondern ebenso auch kein Völkerrecht, sondern nur ein besonderes Staatsrecht für jeden isolierten Staat. Das Prob-lem des Völkerrechts ist das Programm der Alliance Israelite Universelle. Es ist also nicht etwa nur die schwere Notlage des Judentums und der Judenheit auch unter christlichen Völkern, welche das Problem aller menschlichen Gesittung überhaupt in Frage stellt, der Rechtsgrund dieses Programms; sondern es ist der tiefste Inhalt und der eigentliche Sinn des jüdischen Gottesbegriffs, und demgemäss des jüdischen Begriffe vom Menschen und von der Menschheit, welcher in der Alliance zum Ausdruck kommt. Wir wollen nicht ein politisches Volk sein, noch wieder werden; sondern wir beten für die Zukunft der Menschheit in der Hoffnung auf den Tag, an dem Gott als der Einzige erkannt werden wird. Dieser messianische Gott ist zugleich, ist ursprünglich der soziale Gott. Die Propheten haben an diesen beiden Motiven ihre Gottesidee zur Offenbarung gebracht. In dem Glauben an die einheitliche Vereinigung dieser beiden Motive des Gottesgedankens besteht die echte jüdische Frömmigkeit. In ihr ist auch die historische Einsicht und die politische Weisheit verbürgt, welche für die Er«