Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
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— 56 — notgedrungen kämpfen, um sich als Partei Raum zu verschaffen. Daher wird sie bei uns, wo es sich nicht um den Kampf der Dogmen handelt, unabweislich auf die liturgische und die rituelle Kultur hingedrängt. Daher auch wird ihr die Polemik unvermeidlich. Diese betreiben zwar auch die Orthodoxen reichlich; indessen kann man <?s ihnen nachfühlen, dass sie ganz anders für ihren Standpunkt, gleichsam für die Ehrenrettung desselben vor der Kultur sich wehren dürfen als diejenigen, welche ohne dogmatische Gläubigkeit aus freiem religiösen, geschichtlichen und politischen Kationalismus am Judentum festhalten. In dem Kampf der Parteien dürfen daher die Orthodoxen empfindlicher werden als die Liberalen. Und aus der Empfindlichkeit keimen Spaltungen. Und wir brauchen Einigkeit. Und wir sind trotz allem Gesangbuchstreit in der Hauptsache einig; der ganzen offiziellen Kulturwelt gegenüber einig! Das macht jeder Jörn Kippur jedem Juden klar, dem gelehrtesten, wie dem mehr oder weniger gebildeten. Wer jiias nicht merkt, der will nicht merken, was er dennoch fühlen nmss. Das waren die tiefen Gründe, welche Neumann von allem Parteiwesen fernhielten. Sein religiöser Freisinn war auf die Wissenschaft, auf die Lehre, auf die Ideen des Judentums gerichtet. In diesen duldete er keine Orthodoxie, keinen Dogmatismus, keine sogenannte Pietät des hergebrachten Aberglaubens. Den Gehalt dieser Ideen zu sichern und auszubauen, galt ihm als die positive Aufgabe des liberalen Judentums. Und es darf in diesem Zusammenhange nicht verschwiegen werden, dass nicht so sehr freilich in dem Programm, als aber in der Kotlage des liberalen Judentums eine schwere Gefahr für die Pflege der Wissenschaft des Judentums anerkannt werden muss. Es liegt hier ein Widerstreit der religiösen Aufgaben vor, vor dem man sich den Blick nicht verschleiern darf. Dem modernen Judentum sind die allergrössten Verdienste um unsere Wissenschaft zuzusprechen; sowohl um die Errichtung von Pflegestätten der Wissenschaft, wie selbst um die wissenschaftliche Produktivität. Anderseits aber muss auf die Zeitlage Rücksicht genommen, daher im Kultus der hebräische Urtext der Gebete verringert werden. Wenn jedoch die Kenntnis der Sprache in ihren ergreifenden Gebettexten, die Liebe zu ihrem Klange, wie zu. ihrer musikalischen Ausgestaltung in vder Synagoge iiicht