Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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— 54 — mindesten Kant ein Anachronismus, und das „Reich der Schatten" hätte von unserem. Schi Her nicht verwandelt werden können in „das Ideal"und das Leben". Der lebendige" der methodische Zusammenhang von Idee und Wirklichkeit bildet den Urgrund Gottes. Der Zusammenhang von Idee und Wirklichkeit, das ist der Inhalt der sozialen Frage. Und um diesen Sinn und Kern der sozialen Frage erkannten wir unsern Neumann theoretisch wie praktisch bemüht und besorgt. Sein Gott war der Gott der Armen und der Leidenden. Diese ethische Klarheit hatte seine naive jüdische Frömmigkeit und Gottgläubigkeit. Diese sittliche Kraft war die Wurzel seines Glaubens an das Recht und an die Wahrheit des Judentums. Dalum liebte er die heilige Sprache, in der diese ewigen Quellen der Menschheit geschrieben sind. Es darf hier ein persönliches Moment nicht verschwiegen werden, weil es von lehrhafter Bedeutung ist. Er selbst führte seine Tochter in die hebräische Sprache und ihre Quellen ein. In' diesem Geiste förderte er alle Stiftungen, in denen das Judentum streng wissenschaftlich erforscht wird. Daher begründete er 1865 die Zunz- Stiftung, deren Vorsitzender er bis zuletzt war, wie er denn mit diesem erlauchten Begründer unserer Wissenschaft in der Souveränität des Charakters eine unverkennbare Verwandtschaft hat. So hat er auch der Stiftung, die seinen eigenen Namen trägt, diese Bestimmung erteilt. Daher die grosse, man darf sagen, zärtliche Vorliebe für diese unsere Anstalt. Ich muss es aber aussprechen in 'dieser feierlichen Stunde: das war die geheime Sorge, die an ihm nagte, dass nur niemals die gründliche Bearbeitung der gesamten jüdischen Quellen vernachlässigt, oder auch nur zeitweise hinter andere Aufgaben zurückgestellt würde. Auch auf die Geschichts- (jueilen des Mittelalters und der Neuzeit war sein Interesse und seine Fürsorge gerichtet; wie er denn seit Jahrzehnten ein Archiv für die jüdischen Angelegenheiten sich privatim eingerichtet hatte. lieber allem aber stand ihm das gründliche, quellenmässige Studium der hebräischen Sprache und der gesamten rabbinischen Literatur. Nur in der innigen Vereinigung der beidenAufgaben wollte er den Segen dieser Lehranstalt