Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
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— 53 — . es genügt, den geschichtlichen Zusammenhang der literarischen Quellen des Judentums'als das Problem zu erkennen, um die W i s se n s chaft des Judentums methodisch zu rechtfertigen. Diese geschichtliche Kontinuität darf man keineswegs schlechthin gleichsetzen mit einer Einförmigkeit und Einheitlichkeit des Geistes und der sittlich erziehlichen Richtung in dem Inhalt dieser Quellen. Diese ist nicht durchgangig vorhanden; sie braucht nicht angenommen zu werden; sie darf nicht gefordert werden. Aber eine ungebrochene Linie des geschichtlichen Laufes für die Gesamtgeschichte des Judentums ist die methodische Voraussetzung für den geschichtlichen Begriff von der Einheit des Judentums. Und die Kontinuität der jüdischen Quellen in diesem geschichtlichen Sinne ist der methodische Grund für die Spezialität der Wissonschaft des Judentums. Unser Neumann war nicht mit Vorliebe Philosoph. Die Subtilitäten der Dogmatik in bezug auf die Formulierung des Gottesbegriffs lagen nicht in der Richtung seines logischen Interesses. War er darum etwa dogmatisch befangen oder auch nur naiv gläubig? Auch die Naivität, wie man sie hier verstehen würde, kann nicht zugegeben werden. Der gesunde Idealismus ist frei von jeglichem Dogmatismus, sowohl von dem der Skepsis, wie von dem der anthropomorphen Mystik. Der moderne Mensch soll aber überhaupt über der Religion stehen, so sagt man allgemein. Man sagt aber nicht, was über dem modernen Menschen stehen, worin er den Höhepunkt soines Wesens erkennen und bestimmen soll. Wenn der moderno Mensch etwa auch über Gott stellen soll, dann allerdings ist das Judentum antiquiert. Wenn dagegen das Problem der Gottesidee noch Bestand haben sollte für die moderne Kultur, dann besteht das Judentum. Der Gott des Judentums ist niöht der Gott des Jahvismus oder des Elohismus — allen diesen Fragen der Bibelkritik stehen wir unbefangen gegenüber, und wir gönnen ihnen den breitesten Spielraum — unser Gott ist der geschichtliche Gott der Propheten; der Gott, der sich in der geschichtlichen Entwicklung des Prophetismus offenbart hat. Dieser Gottesidee -geben wir allerdings den Vorzug der Lebendigkeit und der aktuellen Modernität auch vor dem Pantheismus. Wenn Spinoza das letzte Wort in der Weltgeschichte hätte, dann wäre zum