Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
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~ m - scheiden wollen, die durch ihre dogmatische Marschroute gebunden oder wenigstens gehemmt sind, desto verantwortungsvoller ist unsere wissenschaftliche Lage gegenüber dem Judentum, gegenüber dem weiten Quellenschatz des Judentums. Oder sollten wir etwa das Studium unserer Bibel der protestantischen Theologie überlassen; und sollten wir unseren Hörern nicht nur, was wir tun, den Besuch dieser Vorlesungen an der Universität empfehlen, sondern sie auch darauf anweisen und beschränken? Billiger und verständigerweise kann es nicht bezweifelt werden, dass eine noch lebendige Religion, eine Religion, die sich noch lebendig fühlt und betätigt, das Studium ihrer eigenen Quellen nimmermehr einer Wissenschaft anvertrauen darf, welche tatsächlich und programmatisch keineswegs lediglich Wissenschaft sein, sondern durch diese ihre Wissenschaft, ihre Religionfeine andere Religion begründen und befestigen will. Wir werden immerdar mit tiefer Dankbarkeit der Verdienste gedenken, welche die protestantische Kathedertheologie um die Bibelkritik sich erworben hat, aber wir dürfen darüber nicht der eigenen Pflicht untreu werden, welche die Hütung unseres eigensten Gutes uns auferlegt. Ist es doch schon der Zusammenhang der Quellen selbst, welcher sprachlich und sachkritisch dermalen noch uns allein offensteht. Diesen Zusammenhang der Quellen aus den verschiedenen-Zeiten immer durchsichtiger zumachen, das ist ebensosehr unsere wissenschaftliche, wie unsere religiöse Aufgabe. In der heutigen Bibelkritik wittert man ja schon in der Genesis den Anfang des Midrasch; wie sollte man es da bestreiten können, dass sich das nachbiblische Judentum in einem innersten Kontakt mit dem biblischen entwickelt; und dass demnach auch das biblische Judentum ohne die Projektion auf die späteren Jahrtausende des Judentums trotz aller Vergleichung mit der semitischen Zeitgeschichte im Grunde eine tote Insel bleibt. So braucht man gar nicht aut die Erfordernisse der apologetischen Polemik einzugehen, die bei der dermaligen politischen und nicht minder wissenschaftlichen Lage, in der wir uns befinden, zu einer schier unvermeidlichen Notwehr, wird; man "braucht auch gar nicht die Gottesidee zu erwägen, welche dogmatisch, wie ethisch, die unüberbrückbare Scheidewand bildet;