Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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- 41 - früher Jugend schon erkannte Neumann die Bedeutung der Statistik für sein Berufsfach; er suchte alsbald sie für die Medizin zu neuer Fruchtbarkeit zu bringen. Ks war im letzten Grunde sein Sinn, sein Gewissen für wissenschaftliche Strenge, Genauigkeit, Klarheit, Sicherheit, das ihn zur Medizinalstatistik hinlenkte. Denn Gründlichkeit und Klarheit sind die Leitstorne seines Denkens überall; daher sind sie auch die Prüfsteine, vor denen er seinen Stil entwickelte. Da fehlt alles Blendwerk, beinahe auch alles Beiwerk. So viel er selbst in der lebendigen freien Rede Abschweifungen wagte, so musste doch eine jede solche Digression auf das Ziel hinführen, das er sicher im Auge behielt. Und in dem schriftlichen Wort bekundet sich beinahe mehr noch, als es in seiner persönlichen Erscheinung schon offenbar wurde, die höhere Anlage seines geistigen Wesens, sein Beruf für eine geistige Höhemnd Bedeutsamkeit. Die Eigentümlichkeiten seines Stils stellte in besonderer Prägnanz sein Briefstil dar: nur dass in seinen Briefen die Klarheit und Bestimmtheit seines Urteils noch überstrahlt wurde durch die wahrhafte Freundlichkeit und liebenswürdige Sympathie, in der er das harmonische Band mit dem Briefgenossen inniger zu schlingen strebte. Mit dem methodischen Instinkte, der ihn zur Medizinalstatistik hintrieb, verband sich aber der Grundatfekt seiner Natur: sein Mitgefühl für das Leiden, und für die soziale Quelle des Leidens, für die Armut. So wurde er einer der ersten, die den sozialen Charakter der Medizin erkannten. Tief und klar formulierte er 1847 die Aufgabe der Medizin, eine soziale Wissenschaft zu werden. Und wie er in der Statistik die theoretische Methode der Wissenschaft zu handhaben erlernte, so dass er es zu anerkannter Meisterschaft darin brachte, so wandte er diese methodische Einsicht alsbald auf die soziale Praxis an. Und wie er einerseits sonach der allgemeinen strengen Wissenschaft sich befleissigte, so richtete er seine ganze jugendliche Kraft auf die allgemeinen sozialen Aufgaben des Staates und der Kommune. 1859 trat er als Stadtverordneter seine grosse reich gesegnete Lebenstätigkeit an. Diese erstreckte sich hauptsächlich auf statistische Arbeiten theoretischer und praktischer Art: Volkszählungen, Wohnungsstatistik und Errichtung des städtischen Bureaus für Statistik. Hierin wirkte