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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1909-01-01 · 1909 · page 43

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1909
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273599--1433-2275215
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— 44 — Heimgekehrt liess er sich 1845 als praktischer Arzt in Berlin nieder. Bisher war es üblich, dass der jüdische Arzt den Amtseid in der Synagoge ablegte. Neumann beantwortete die amtliche Aufforderung hierzu mit einer Eingab© an das Polizeipräsidium, den Eid wie die Aerzte anderer Religion ableisten zu dürfen, indem er zugleich aussprach, nötigenfalls bis an das Ministerium vorzugehn. Er war der Erste, der diesen Schritt durchsetzte. Nach ihm hat kein jüdischer Arzt mehr den Eid more judaico in der Synagoge abgeleistet. Schon aus diesem Anfang seines Lebens wird sein ferneres Leben durchsichtig. Es ist bekannt, mit welcher Energie des innigsten Gefühls, der heissesten Leidenschaft und des schmerzlichen Spottes gegen die Wankenden er für die geschichtliche Bedeutung der jüdischen Religion, wie in der Vergangenheit, so in der Gegenwart und für alle Zukunft innerlichst überzeugt und begeistert war. Nutzen wir den Ernst dieser Stunde, um über die sachlichen Motive uns klar zu werden, welche in diesem starken Charakter, welche in diesem affektvollen Gemüte, dem es doch niemals an dem Steuer der Besonnenheit und des Taktes gebrach, die Führung behaupteten. Gerade die heutige Feier in diesem Kreise bietet zu einer solchen Würdigung den natürlichen Anlass. Denn die Aufgabe unserer Lehranstalt dürfte sich als der Schwerpunkt in der gesamten Wirksamkeit unseres Freundes zumal in der zweiten Hälfte seines Lebens nachweisen lassen. Alle anderen Riehtungen, in denen er für die Allgemeinheit wie für das Judentum gewirkt hat, haben hier ihren Mittelpunkt. Wenn wir dahor verstehen, was sein Ideal für die Lehranstalt war, und mit welchen Mitteln und Anforderungen er dieses Ideal der Verwirklichung näher zu bringen strebte, so lernen wir damit am besten seine gesamte Arbeit für das Judentum, nicht minder vielleicht aber auch für die allgemeine Kultur verstehen. Und wenn es ferner uns gelingen könnte, die ganze Entfaltung dieser eigentümlichen modernen Religiosität in einen einheitlichen Zusammenhang zu bringen, so würde der Schein eines inneren Widerspruchs, der an der Religiosität des modernen (Juden haftet, sich ebenso zerstreuen, wie das allgemein anerkannte Bild dieser starken, festen, unbeugsam starren Persönlichkeit dadurch vielmehr in die Harmonie * eines einheitlichen, klaren, schlichten, gleichförmigen Geistes und Willens s\ch auf-

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