Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1908
- Date
- 1908-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2273546-2273597--1387-2275168- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 65 - auf dem Boden der Heimat verleben durfte. Ein starker wissenschaftlicher Drang — er sah seinen Namen Salomon mit einem gewissen Stolze als eine Symbolisierung seines Wissensdranges an — erfüllte ihn von Jugend auf und wurde in ihm auch wohl genährt durch das"" Beispiel zweier älterer Brüder, von denen der eine gleich ihm in fremdem Lande zu Ehren und Ansehen gelangt ist, während der andere mit dem Berufe des Kaufmanns wissenschaftliche Betätigung zu verbinden wußte. An die Lehrjahre auf deutschen Universitäten schlössen sich dann die Wanderjahre, die so reich sind an bemerkenswerten, interessanten, ihn selber geistig mächtig fördernden Beziehungen: der Aufenthalt in England, dessen Bedeutung für ihn uns gegenwärtig wird durch die Namen der ehrwürdigen Bodleyana zu Oxford, der er einige Zeit seine Dienste weihen durfte, Max Müllers, der ihn förderte, der verehrungswürdigen Königin Victoria und ihrer Kinder, denen er als Bibliothekar diente und die ihn freundlich schätzten, daran sich schließend die mehr als 20jährige Lehrtätigkeit an der Hochschule des uralten Kultur- und Wunderlandes Indien, wo die Fäden zwischen seiner Wissenschaft und dem ihn umgebenden Leben so fest und eigenartig sich spinnen mußten; endlich der Abschluß seiner Wanderschaft durch eine Weltreise, auf der er noch einmal große Eindrücke sammelte, um dann zurückzukehren in die Heimat zu stiller Gelehrtenarbeit und zum Lehramt an der ersfen Hochschule des Vaterlandes. Auf diesem interessanten und bemerkenswerten Lebenswege aber war treue, emsige Arbeit seine stete Begleiterin. Er hat durch eine große Zahl fleißiger und gelehrter Untersuchungen seine Fachwissenschaft gefördert und sich besonders an seiner indischen Wirkungsstätte hohes Ansehen erworben, sodaß er noch bei dem demnächstigen Orientalistenkongresse als ihr Vertreter erscheinen sollte. Vor allem aber verdient hier hervorgehoben zu werden, daß seine wissenschaftliche Arbeit sich nicht in der Spezial- und Detailforschung erschöpfte, sondern auch gern größere sprachwissenschaftliche und kulturgeschichtliche Zusammenhänge suchte: so nähert sich seine Arbeit über die Einteilung defSprachen den Problemen der Sprachphilosophie und schwebte als Abschluß seiner Untersuchungen ihm bis zuletzt der Plan einer Kulturgeschichte der Inder vor. Es wohnte also ein gut Stück Weisheit, Weltkenntnis und 5-