Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1908
- Date
- 1908-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
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Dienst Gottes: wer sie fordert, der wirket wie nicht leicht .ein anderer für das Reich Gottes auf Erden, für den geistigen und sittlichen Fortschritt der Menschheit; und wer ihrem Dienste sich weihet, der hat so viel zu leisten an Selbstbezwingung, an Entsagung, an hingebender emsiger Arbeit, an selbstloser Treue für das Kleinste, daß schon hierdurch sein Leben und sein Schaffen sittliche Werte in sich schließen, die sicherlich die Religion am ehesten würdigen muß. Mit solchen Gedanken und mit der aus ihnen sich ergebenden liebevollen Wertschätzung, die übrigens gerade unsere Religionsgemeinschaft den Dienern der Wissenschaft, ihren bevorzugten Lieblingskindern, stets hat angedeihen lassen, scharen wir uns zum Abschiede um die Bahre unseres heimgegangenen Gustav Salomon Oppert. Von ihm als einem Gelehrten reden, heißt aber, ihn und sein Leben kennzeichnen mit einem Worte: Die Wissenschaft bildete fast den alleinigen Inhalt des Lebens dieses Mannes, der ihr allein von Jugend auf bis zuletzt gedient, Weib und Kind nie besessen hat; und er diente ihr mit jener Selbstverständlichkeit und restlosen Hingebung, mit jener Schlichtheit und Bescheidenheit, die ihn zu dem leider in unseren Tagen immer seltener werdenden Typus des Gelehrten, und zwar des deutschen Gelehrten, machten. Er gehörte zu jenen sympathischen Erscheinungen in der Welt der Wissenschaft, die man kennzeichnen darf mit dem Worte des Spruchdichters: nczn rjnas r.to „Bei den Bescheidenen wohnt die Weisheit." Eine seltene Bescheidenheit ist wohl in seinem Bilde der charakteristische Zug; sie verdeckte geradezu seinen wirklichen Wert. Wer mit dem schlichten, anspruchslosen, wir dürfen es sagen, sogar ein wenig unbeholfenen Manne, der so aufmerksam anderer Urteile anhörte und so willig sie gelten ließ, in nur oberflächliche Berührung kam, der ahnte wohl kaum etwas von der Fülle von Erfahrung und Wissen, die dieser Mann auf seiner Lebensreise durch ferne Länder und fremde Erdteile und in ununterbrochener emsiger Arbeit in sich aufspeichern durfte. Sein Lebensgang bereits ist kein ganz gewöhnlicher. Es jwaren eigentlich nur die wissenschaftlichen Lehrjahre, dieser