Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1908
- Date
- 1908-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2273546-2273597--1385-2275166- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ntn rran r« romna yw rnw Laß mit Liebe und Erbarmen Dein Auge ruhen, Ewiger unser Vater, auf diesem Hause und auf uns, die wir in ihm zu wehmütigem, trauervollem Abschied von seinem Herrn versammelt sind. Laß die Stunde treuen, liebevollen Gedenkens, die wir dem Heimgegangenen weihen an der Stätte, die uns sein Bild und sein Schaffen so lebendig vor Augen stellt, an uns zum Segen werden: mag sie Trost und Frieden spenden den bekümmerten Herzen der Seinen, uns sein Bild schenken in Verklärung zu dauerndem, dankbarem Gedächtnis, mag sie uns stärken im Guten, uns des Verblichenen Tugenden aufs neue erkennen lassen in ihrem sittlichen Werte, auf daß wir fürder sie lieben und ihnen zustreben in unserem eignen Leben, Amen! Meine werten Leidtragenden! Andächtige Trauerversammlung! Daß wir der Stunde des Abschiedes von einem teueren Heimgegangenen durch die Religion Weihe und Inhalt geben lassen, hat seinen guten Sinn und ist in unserem Empfindungsleben tief begründet. Ganz besonders aber, so scheint mir, ist die Religion berufen, die Stunde zu verklären, da wir Abschied nehmen von einem Gelehrten, einem Manne der Wissenschaft, sein Lebensbild vor uns entrollen, die sittliche Summe seiner Lebensarbeit zu ziehen trachten. Wahre, echte Religion wird nämlich, so deucht mir wenigstens, einen jeden wirklichen Gelehrten — wie immer er sich zur religiösen Weltanschauung stellen mag — zu ihren eigensten und besten Dienern rechnen. Der Drang nach der Wahrheit, die Freude an der gewonnenen Wahrheit, an der Erkenntnis — das sind seelische Besitztümer der Menschen, die der religiösen Gefühlswelt am nächsten stehen, wenn nicht einfach ihr zuzurechnen sind. Vor allem, aber ist der Dienst der Wahrheit ein