Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1908
- Date
- 1908-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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- 57 - lauscht haben den Worten unserer Lehrer und Meister. Es waren Zeiten der Kinderkrankheiten, die alles, was ins Leben, in die Welt der Erscheinungen tritt, durchmachen muß; es waren Zeiten der Kämpfe, aber auch Zeiten reichen Segens, denn große Lehrer nannten wir unser eigen. Aber auch der Hörer soll gedacht werden in dieser Stunde! Denn ob auch die Lehrer das Gepräge ihres Geistes aufdrücken den Schulen — die Schüler sind die lebendigen Bausteine, aus denen die Anstalten bestehen. Es ist ein sinniges Wort, das ein alter Meister in Israel gesprochen: „Viel habe ich gelernt von meinen Lehrern, noch mehr von meinen Schülern!u und nicht minder gewiß ist es: Sokrates wäre nicht der Weise geworden, wenn er nicht Schüler besessen hätte, Schüler, die seinen Worten lauschten und durch Fragen und durch Ideen seine Gedanken befruchtet hätten. Es war eine große Zeit, denn Lehrer und Schüler waren beseelt von dem Idealismus für die Wissenschaft des Judentums. Mancher Hörer hat gedarbt und geseufzt und gesorgt und doch, er blieb stark, denn sein Idealismus lebte in ihm. Und heute, wie ganz anders ist es! Das Wanderzelt ist abgebrochen; ein festes Heiligtum erhebt sich mit hellen freundlichen Räumen, die durchflutet werden vom Sonnenlicht, und ungehemmt kann der Blick hinaus sich ringen auf das wogende Leben, empor zu den Giebeln stolzer Schöpfungen des menschlichen Geistes, höher noch empor zum Himmel, wo Er thront, der unser bleibt allezeit! Und da an einst und jetzt wir denken, da erwacht ein Segensspruch, wie es Alt-Israels Brauch ist, in unseren Seelen: „Gelobt sei Er, der die Zeiten ändert!" Ja, er ändert die Zeiten, indem er die Werkzeuge für sein Wirken und Schaffen sich wählt, und ein Werkzeug in der Hand Gottes ist auch das Kuratorium unserer Lehranstalt gewesen. Dafür Dank Ihnen, meine Herren, Dank, heißer Dank! Ein Denkmal soll dies Haus sein und ein Zeuge, daß auch wir, die Kinder einer neuen Zeit, erfüllt sind von Glauben und Treue; ein Denkmal soll es sein und bleiben, daß in uns lebt die Wahrheit, die der Prophet gekündet: Israel bleibt nicht verwaist und ist nicht verwaist; ein Denkmal soll es sein, daß auch in unserer arg verlästerten Zeit Idealismus, Begeisterung für die höheren Güter fort und fort leben in den Herzen der