Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1908
- Date
- 1908-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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— 56 - Buches natürlich seinem wärmsten Interesse begegnen. Zw dem Programm des Verbandes, das ich die Ehre hatte, vor zwei Jahren vor der Hauptversammlung zu entwickeln, gehört es, daß er aufklärende und apologetische Schriften in die Lande sendet, welche über das Wesen des Judentums und seine Ethik Aufschluß geben sollen. Wird diese Aufgabe erfüllt, wird das Wesen des Judentums voll erkannt werden, dann wird der Antisemitismus, der im philosophisch-ethischen Gewände einhergeht, ebenso verschwinden, wie der Antisemitismus der Straße. Uns allen drei Institutionen, dem Verband, dem Zentralverein und der Lehranstalt, ist gemeinsam, daß wir uns frei geschaffen haben, und im freien Spiel der Kräfte um unser Leben ringen müssen. Kein augustisch Alter hat uns bisher geblüht, keines Medicäers Güte uns bisher gelächelt. Ob es in absehbarer Zeit anders werden wird — O-triäv £p yovvctfit xtircu. Was aber auch immer der Kreislauf der Jahre bringen möge, mag auf der eigenen Scholle der Baum der Lehranstalt blühen, wachsen und gedeihen, frei im Sonnenschein und frei in Sturm und Wind, mag er knorrig werden, wurzelfest und fruchtbeladen und mögen seine Früchte dem deutschen Vaterlande und dem Judentum zum Segen gereichen. '.(Heifall.)" Rabbiner Dr. Adolf Rosenzweig (Vertreter der ehemaligen Hörer der Lehranstalt): Mir ist als einem der ältesten Hörer der Lehranstalt, als dem ersten, der in die Seelsorge unserer Glaubensgemeinschaft aus dieser Anstalt getreten ist, der ehrenvolle Auftrag geworden, im Namen Vieler, die einst Hörer dieser Anstalt gewesen und heute auf dem ganzen Erdenrund zerstreut wirken als Lehrer des Gotteswortes, als Bildner der Jugend, als Männer des Wissens auf den verschiedenartigen Gebieten sich betätigen, den hochverehrten Herren Kuratoren den Dank der Herzen, die Glückwünsche der Seelen entgegenzubringen, ihnen zu künden das, was die Seele der Fernen und der Nahen bewegt an dem heutigen Tage, an dem die Lehranstalt ihr eigenes Heim bezieht. Unwillkürlich lenken sich unsere Blicke in die Vergangenheit, in jene ernste Zeit, da vor 35 Jahren wir als Schüler der Anstalt in den engen, finsteren Räumen standen und dort ge- >