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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1908-01-01 · 1908 · page 49

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1908
Date
1908-01-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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I — 49 — rechtlichen und gesellschaftlichen Absonderung der Juden den Zusammenhang mit der allgemeinen Wissenschaft verloren. Es war das unsterbliche Verdienst Moses Mendelssohns, die Fäden neu zu knüpfen, welche die Verbindung mit der allgemeinen Kultur wiederherstellen sollten. Kein Zufall, daß dies in der Zeit der Aufklärung, in der Hauptstadt des großen Friedrich geschah, als die Geister anfingen, sich freier zu regen. Man ging wieder zurück auf die Bibel, die Mendelssohns Übersetzung den deutschen Juden in der Sprache ihres neuen Vaterlandes erschloß; man fing an zu begreifen, daß deutsche Kultur und jüdische Religion sich nicht ausschließen; man erkannte von neuem, daß, wie wichtig auch die Formen als Träger und Bekräftiger des Glaubens sind, das Wesen des Judentums in nichts anderem besteht als in dem Glauben an den einig-einzigen Gott. So kräftig wurde bald diese Erkenntnis, daß ein aufgeklärter Freund der Juden ihnen den, freilich von wenig historischem Sinn zeugenden, Rat erteilen konnte, den Namen „Juden" abzulegen,, da ihm so viele Vorurteile anhafteten, und sich Deisten zu nennen. Aber die volle Durchdringung mit dem neuen Geiste brachte erst die Arbeit von Generationen. Wir können beobachten, wie die allgemeinen politischen Verhältnisse und die besondere Politik gegenüber den Juden fortdauernd eine unverkennbare Wirkung auf die wissenschaftliche Ergründung und Entwicklung des Judentums ausübten. Das Judenedikt vom 11. März 1812 zeitigte schon in den folgenden Jahrzehnten ein steigendes Bewußtsein der erhöhten Pflichten auf wissenschaftlichem Gebiete: In der Pflege der Religion durfte man — das erkannten alsbald unsere führenden Geister — nicht hinter den christlichen Mitbürgern zurückbleiben, wenn man die gleiche Stufe erklimmen wollte. Daher der Ruf nach einer Wissenschaft des Judentums, daher der Ruf nach einer jüdisch-theologischen Fakultät. Aber wie großes auch damals von einzelnen Männern geleistet wurde, noch war die Zeit nicht reif für die volle Verwirklichung dieser Gedanken. Noch waren religiöser Indifferentismus auf der einen Seite, starre Orthodoxie auf der anderen Seite zu mächtig. Wiederholte Versuche, einen Mittelpunkt für die neue Wissenschaft zu schaffen, waren erfolglos. Aber fast in demselben Augenblicke, in dem die deutschen Juden 1869 die bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte, er? 4

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