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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1908-01-01 · 1908 · page 47

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
1908
Date
1908-01-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273597--1367-2275148
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— 48 - Hilfe die Lehranstalt schwere Zeiten kaum hätte überwinden können; Herr Professor Sie gm und May bäum, der Vorsitzende unseres Lehrerkollegiums, der nicht nur seine Fähigkeiten und sein Wissen seit langen Jahren in den Dienst unserer Lehranstalt gestellt, sondern auch diesen Bau wesentlich gefördert hat. Als immerwährende Ehrenmitglieder wird die Lehranstalt ferner zwei Gönner führen, die im vergangenen Jahre zu unserer Trauer das Zeitliche gesegnet haben: Den Rittergutsbesitzer Nathan Bernstein, der den Grundstock für den Bau unseres Heims uns zur Verfügung stellte, und Frau Geheime Kommerzienrat Ida Simon, geb. Lehweß, die den Louis Simonschen Lehrstuhl errichtet hat und sich dadurch unvergängliche Verdienste um unsere Lehranstalt erwarb. Hochansehnliche Festversammlung! Ar. dem heutigen Tage, der für die Entwicklung unserer Lehranstalt nicht nur äußerlich wichtig, sondern auch innerlich bedeutsam ist, drängt sich die Frage auf unsere Lippen: Woher und Wohin? Unsere Religion steht nicht auf dem Standpunkt, daß der blinde Glaube des Einfältigen der rechte Glaube sei. Sie verlangt, daß wir Gott „erkennen", und Hillel lehrte: Ein Unwissender kann nicht fromm sein. Das will sagen: Die wahre Frömmigkeit kann nur auf dem bewußten Streben nach Wahr- ,heit beruhen. Auch für die Religion gilt uns der Satz Goethes: Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. Das Korrelat dieser Auffassung ist der Satz alter Weisheit: Die Vernunft und der Glaube mit seinen Gesetzen sind zwei Flammen, deren jede für sich leuchtet, die dennoch einander begegnen, sich lieblich vereinen. Mag die Forschung verschiedene Richtungen einschlagen: Die Einheit des Geisteslebens muß immer wieder hervortreten, wie der menschliche Geist nur eine Einheit bildet. Unser Glauben ruht auf Vernunft, und unsere Vernunft lehrt uns glauben. Daß bei solcher Anschauung das Streben nach höherer Erkenntnis unserer Glaubensgemeinschaft unauslöschlich eingeprägt war, kann nicht wundernehmen, und dieses Streben erkennen wir auch noch in dem unerfreulichen Bilde, das die _ Talmudschulen schließlich aufwiesen, als sie in Verfolg der

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