Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1906
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2273546-2273593--1260-2275039- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 20 — Weib ihren Säugling ohne Erbarmen für den Sohn ihres Leibes-. Abgesehen nun von der Härte, die in einer solchen Uebersetzung liegt, und dass sie auch dem hebräischen Sprachgebrauch an und für sich schon zuwider ist, verlangt doch der darauf folgende Plural rarem neben nu\s ein zweites Subjekt, welches nur im Worte erns vorliegen kann. Nun hat die LXX aus dem Plur. ranr^n gar rrs rzva gemacht und rhs auf rrr.y und rses p bezogen. Ks wäre aber doch im höchsten Grade geschmacklos anzunehmen, dass der Prophet gleich hier das Wort wiedrh.olt hätte. Duhm verwirft auch die Lesart der LXX und setzt hier rtex „Mütter für rhu, um dem ."btebti gerecht zu werden und übersetzt also „mögen auch Mutier vergessen, ich aher vergesse dich nicht". Hei genauer Betrachtung liegt aber im ersten Vers unzweifelhaft ein Parallelismus vor. und wir haben im Worte cn-$ ein Synonym zu zu suchen. Ein solches liegt auch tatsächlich vor, nur muss mau nyrrp antsatt erna lesen. Dieses Wort ist aus ern ^Mutterleib* gebildet und bedeutet nichts anderes als eine Erstgebärerin wie rry?yj. Der Text unserer Stelle ist also richtig erhalten und alle Schwierigkeiten sind gehoben. Die Uebersetzung muss demnach lauten: Vergisst denn ein Weib ihren Säugling, eine Erstgebärerin den Sohn ihres Leibes? aber auch diese vergessen, ich hingegen vergesse dich nie!1). Wie Sie sehen, hatte der massoretische Text dio Stelle ganz richtig überliefert, nur haben die Massorctcn das Wort dt.ö falsch aufgefasst und demgemäss punktiert. Die LXX aber hat einen tiefen Eingriff in den Text getan, ohne jedoch den Sinn irgendwie gefördert zu haben. ') am bedeutet Iii. »,S0 „t rau, od. Jungfrau" schlechtweg. An unserer Stelle wäre die pass. Miqtal-Form auch möglich. Eine solche Bildung in diesem Sinne ist dem hebr. Sprachgebrauch nicht fremd und findet sich in dem bis jetzt ebenfalls unbekannt gebliebenen und falsch gedeuteten Worte D^.Ä^Q cant. 1,4, das parallel zu dem im vorhergehenden Vers vorkommenden fliöSjL steht. Diese» kann nichts anderes bedeuten als Junge Mädchen" und findet eine Stütze im arabischen xjj*. oder X^** für „Magd oder Sklavin, die ihrem Herrn als Kebsweib dient," Vgl. u. a. auch j*ax*.