Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1906
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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— 11) — jene Kommentatoren jedes Verständis für den (»eist der hebräischen Sprache, jedes Gefühl für ihren richtigen Gebrauch verloren! Und während in der Behandlung des massorotischen Textos (MT.) eine solche Leichtfertigkeit herrscht, wird die LXX mit einer übertriebenen Pietät behandelt. Die kleinsten und minderwertigsten Textabweichungeu werden mit grosser Sorgfalt registriert und als genügender Anhaltspunkt für weitere Eingriffe in den MT. benutzt. In Wirklichkeit ist es mit der LXX lange nicht so gut bestellt. Die Unzulänglichkeit der LXX in Bezug auf das Verständnis des biblischen Textes wurde schon von mehreren Gelehrten festgestellt und Nöldeke hat schon in seiner Altlestamentlichen Literatur (Leipzig lSüS, p. 244) gesagt: „Für den jetztigen Standpunkt der biblischen Philologie ist die in den Uebersetzungen niedergelegte AuH'assung zur Erkenntnis des wahren Sinnes nicht besonders wichtig. Man ist jetzt mehr und mehr zu der Einsicht gekommen, dass in den Fällen, wo uns die sonstigen philologischen Hilfsmittel zur Erklärung schwieriger Worte und Stollen im Stich lassen, die alten Uebersotzungen selten fördern, denn gewöhnlich haben auch sie dann den Sinn nur erratend. Dieses dürfte in noch höherem Masso von der LXX der Fall sein. Aber die LXX hat nicht bloss den Sinn mancher Wörter erraten; ja, sie hat es sogar nicht gescheut, selbst Textveränderungen an vielen Stollen vorzunehmen. Pie LXX weist an vielen Stellen Textabweichungen auf, die unmöglich in einer solchen Gestalt in irgend niuem alten hebräischen Text vorgelegen haben können. In solchen Fällen haben wir es also in der LXX nicht mit Variauten d. h. mit überlieferten vershiedenen Lesarten zu tun, sondern mit einfachen Konjekturen neuen Styls. Ich will Ihnen hier nur eine Stelle anführen, woraus deutlich hervorgeht, dass dio LXX aus Mangol an Verständnis für den richtig überlieferten Text zu Tcxtveränderungon gegriffen hat. Sie kennen alle die Stolle Jos. 49,15, wo der Prophet auf die Klage der Tochter Zions, Gott habe sie vergessen, erwidert, Gott könne sie noch viel woniger vergessen, als ein Weib ihren Säugling. Der Text lautet an dieser Stelle ya&x ab n:nzvn nba oa mea p cn^? rbw rws nzvnn. Nun weiss man nicht recht, was man mit erjit? anfangen soll. Die ganze Stelle wird gewöhnlich übersetzt: Vergisst denn ein