Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1906
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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— 17 — allgemeinen möchte ich bei dieser Gelegenheit bemerken, dass der sittengesehicluliche Hintergrund, der in den biblischen Erzählungen und Dichtungen sieht bar ist, gar keine Verwandtschaft mit dem durch Sittenverderbnis gotrübten Geist der Kordsemiten erkennen lässt. Es sind vielmehr die Nüchternheit, Schlichtheit und Sittenreinheit der Südsemiten die uns hier entgegentreten. _ Durch das Studium des südsemitisclien Altertums lernen wir Sitten und Lebensverhältnisse kennen, von denen ein überaus helles Licht auf die biblischen Erzählungen ausstrahlt. Das südsemitische Altertum brauchen wir aber nicht erst aus den alten Inschriften und literarischen Denkmälern kenneu zu lernen; es lebt noch heute fort unter den arabischen Stämmen der Wüste und unter den Dauern Palästinas und Syriens. Alle diese leben noch in denselben Verhältnissen, wio ihre Vorfahren vor Jahrtausenden gelebt haben. Wir können aus den ältesten arabischen Dichtungen, sowie aus den Erzählungen der Bibel selbst ersehen, wie wenig das heutige Beduinen- und Bauernlebeu vom Leben im Altertum verschieden ist. Dio Lebensbedingungen sind ja dieselben geblieben" und demnach sind auch die Sitten und Bräuche stabil geblieben, und grade deshalb kann die Vergangenheit am besten durch die Gegenwart beleuchtet werden. Welche wertvollen Dienste uns die Beobachtung der noch heute im Orient herrschenden Sitten und Bräuche für das Verständnis des Alten Testamentes zu leisten vormag, können Sie aus folgender Stelle im Deboralied erkennen. Bei derBeschreibuug des vollkommenen Sieges Israels über seine Foinde heisst.es Iii. 5,13: etiqxl TV n*.T cy vmvh TW tv Der Text dieser Stelle wird ausnahmslos als verderbt und vollkommen sinnlos hingestellt. Ja, es wird sogar zugegeben, dass jede Konjektur hier nutzlos sei. In der Tat ist jede Konjektur nutzlos, weil solche eben völlig überflüssig ist. Es genügt bloss an erster Stelle tv , an zweiter t*)V statt des unsinnigen tv &u lesen, und wir brauchen nur die Kriegsgebräucho der Beduinen zu beobachten, um diese Stelle richtig zu verstehen. Wenn nämlich ein Araber von seinem Feinde verfolgt wird, und seine Stute völlig erschöpft ist, sodass ein Entrinnen unmöglich erscheint, so verlangt die ritterliche Art beduinischer Kriegsführung vom Verfolger, dass er den Fliehenden auffordert, 2