Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1906
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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— 15 — einander nicht, geradeaus ziehen sie jeder auf seiner Bahn und schon durch die äusseren Wälle fallen sie ein ohne Einhalt zu tun.1)" Die Belagerten müssen also schon an den äussern Verteidigungswerken der Stadt ihro Waffen strecken und dem Feinde das Feld überlassen. Dieselbe Bedeutung liegt wohl auch der anderen Redensart rbv2 „durch das nbv gehen" zu Grunde. Ursprünglich hat es bedeutet „schon an den äusseren Wällen in Gefangenschaft geraten, noch bevor alle Verteidigungskräfte des Belagerten erschöpft sind." Eine solche Gefangenschaft ist schmachvoll und bringt dem Gefangenen beides: Schande und Tod. Später wurde dieses ursprüngliche Bild verwischt und die Redensart „durch das rhu? gehen" nur aligemein, im Sinne von „Schande und Tod erleiden" gebraucht. So wird in lliob 36, 12 „durch das rfc& gehen" als Gegensatz zum höchstou Lebensglück gebraucht. „Wenn sie gehorchen" heisst es dort (v. 11): „und sich als dienstbeflissen erweisen, so werden sie ihre Tage in Glück und ihre Jahre in Wonne verbringen; gehorchen sie aber nicht, dann werden sie Schande und Tod erleiden und in ihrer Unwissenheit dahinsiechen". Aehnlich heisst es auch Hiob 33, 18, wo rhw parallel zum Verderben steht: „Er bewahrt sich vor dem Verderben und rettet seine Seele vom schmachvollen Tod". Ich habe gerade das Beispiel von rbw gewählt, weil dieses Wort höchstwahrscheinlich aus einer späteren Kulturepoche stammt und deshalb aus dem Assyr. besser erklärt werden kann als aus dem Arab. Es gibt noch viele Redensarten in der Bibel die ebenfalls einer späteren Entwickelungsphase des hebr. Sprachgebrauchs angehören müssen und aus dem Assyrischen vortrefflich erklärt werden können. Zu den von Delitzsch, Prolegomena p. 48. und sonst angeführten hebräischen Redensarten, die im Assyrischen in derselben Wortverbindung und im selben Sinne gebraucht werden, möchte ich hier nur noch eine solche hinzufügen, die für die analoge Bildung von Redensarten im Hebr. und Assyr. Schilderung Joels ist nicht immer progressiv aufzufassen. In grossen Zügen entwirft er das Bild eines Belagerungskampfes, bei dem der siegreiche Feind durch Wälle, Mauern und Festungen hindurchstürmt. *) Vgl. £CaJ „schneiden, abschneiden", hier im Sinne von „Unterbrechen" pnocn „unterbrechen" von pofi „trennen, abschneiden".