Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 1906
- Date
- 1906-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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— 10 — semitischen Sprachen verteil und auch vielfach zur Erklärung von Wörtern der Bibel beitragen, deren Bedeutung bis jetzt unaufgeklärt geblieben ist, bezw. nur aus dem Zusammenhang erraton werden konnte. So hat man, um nur einigo bekanntere Beispieleanzuführen, den Sinn des Wortes n's»| in Dt. 32,15, wo es mit Bezug auf das Protzentuni in Israel heisst w: rrcy rostf, wohl aus dem Kontext erraten und mit ,ieist' übersetzt. Seine richtige Bedeutung konnte aber aus keinem Lexikon ermittelt werden, was für manchen schon als genügender Grund erschien, an dieser Stelle eine Emendation vorzusehlagen (Grätzemendiert es in^'jj nach Jer. 0,28!). Dieses Wort lebt aber noch heute in der abgeleiteten geminierten Form im ägyptischen Dialekt, und in der ursprünglicheren defekten Form Hebräisch n&2 im bagdadischen Dialekt und bedeutet eigensinnig und störrisch sein* oder .sich spröde und kokett geberden1)'. Der Vers an unserer Stelle lautet also nicht, ,lett wurdest du, dick und feist', sondern ,fett wurdest du, grob und spröde'.'-) Ebenso hat sich die Redensart bz^ st'3:!), d. b. wörtlich ,ein Vii'ö tragen', im Sinne von,Singen' oder ,Vortragen* u. ä. vom Spottlied gebraucht, in mancher arabisch.Mundart erhalten. So hat Goldzihcrf Globus 1JS77) im ägyptisch-arabischen Dialekt die Redensart beobachtet, d. h. ,das Einloitungskapitel des Korans in der dazu bestimmten Singsaugweiso vortragen'. Noch deutlicher hat sich der Gebrauch dieser Redensart im marokkanischen Dialekt erhalten, in den Redensarten 0<iei. ^wi; für ^ein Volkslied singen' oder ,ein Gelegenheitsgedicht vortragen'. Von welch hervorragender Bedeutung ») Vgl. J. L. Burckhardts arabische Sprichwörter aus Aegypten No. 206 auch 716, 717 und meine Bagdadische Sprichwörter No. 40 in Orientalischen Studien (Festschrift zu Ehren des 70. Geburtstags Theodor Nöldekes) Giesscn 1906, p. 413. 2) Unser hängt vielleicht doch mit ursprünglich „fett sein" zusammen. Dt. 32,15 weist aber schon die erweiterte Bedeutung von „spröde sein" auf. 3) Jes. 14, 1. Nu. 23, mehreremal. Iii. 27, 1. 29, 1. Dafür, dass f?»o u. a. ein Spottlied heisst, vgl. besonders Mi. 2, 4. Hab. 2, 6. Jes. 14, 4. Nu. 21, 27. Vgl. auch J. Barths Etymologische Studien p. 64.