Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
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— Sodas Bekenntnis der eigenen sittlichen Unvollkommenheit werden so ständige Begleiter des Menschen. Das Sündenbekenntnis kommt in das tägliche Gebet: „Vergieb uns, Vater, denn wir haben gesündigt". Nicht Schaden nehmen an seiner Seele, darauf geht des Frommen Sinnen und Trachten. Hillel hatte seinen Schülern beim Abschied wiederholt erklärt, dass er in das Haus müsste, um dem Gast daheim seine Aufmerksamkeit zu widmen. Ja Rabbi, fragten sie, hast du denn tagtäglich Gäste? Allerdings, erwiderte er; ist die liebe Seele nicht eine Fremde im Körper? Heute ist sie hier, morgen ist sie nicht mehr da1). Kehre um einen Tag vor deinem Tode, so lehrte R. Elieser; wie vermag der Mensch den Tag seines Todes zu kennen, fragten seine Schüler? Darum soll er an jedem Tage voll reuiger Gesinnung leben, erwiderte der Meister2). Sein Lehrer Johanan b. Saccai hatte denselben Gedanken in einer schönen Parabel verdeutlicht: Ein König lud seine Minister zur Mahlzeit, ohne ihnen die Zeit für dieselbe zu bestimmen; die Klugen unter ihnen putzten sich sofort und bereiteten sich für die Mahlzeit vor, denn sie sagten, im Königshause fehlt es an nichts, die Toren unter ihnen aber gingen zurück zu ihrer Arbeit, denn sie sagten, eine Mahlzeit bedürfe längerer Vorbereitung. Da plötzlich gab der König den Befehl die Mahlzeit zu beginnen, die Klugen konnten in ihren Festgewändern eintreten, die Toren mussten in ihren Arbeitskitteln erscheinen, mit den einen freute sich der König und lud sie zu den Genüssen der Tafel, auf die andern zürnte er, sie mussten beiseite stehen und dem Mahle mit Neid zuschauen3). Unaufhörlich im Bewusstsein seiner sittlichen Verantwortimg leben, das soll den Menschen vorbereiten auf das Gericht dem er nach Abschluss seines irdischen Lebens unterworfen wird: Das Jenseits und die damit verbundenen Fragen, Fortleben der Seele und Auferstehung, Erlösung des Einzelnen und der Welt beim grossen Akt des Endgerichts im Zeitalter des Messiashaben die Phantasie jener Zeiten stark beschäftigt und. eine Menge von höchst seltsamen Vorstellungen gebildet. Die Lösung, welche die genannten eschatologischen Probleme gefunden haben, *) Wajikra rabba cap. 34 Anfang. 2) Abot H, 4; b. Schabb. 153 a. ») Schabb. das.