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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 89

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 89)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273589--1134-2274911
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- 82 - der selbst die schwierigsten Aufträge Gottes in Freudigkeit ausführte1), ihr Beispiel soll zur Nachahmung wecken, alle Menschen zum Grottesdienst aus Liehe hinleiten. „Du sollst lieben den Herrn deinen Gott, das bedeutet: erfülle seine*Gebote aus Liebe"2). Alle die Wunder, welche die Macht der Liebe im Menschen wirkt, die begeisterte Spannung der Seele, die Entsagung und Selbst- Terleugnung, die Gewissheit des Sieges über Feindschaft und Ungemach, ja selbst über den Tod, alle diese Gefühle soll in ihrer höchsten Steigerung die Religion entzünden. Innig erfasst erhöhen ihre Bestimmungen den Wert des Menschen, da sie sein Band zu Gott enger knüpfen3). Liebe zu Gott, Streben nach sittlicher Vollkommenheit durch Hingebung an Gott sind für die Pharisäer der Antrieb zur Erfüllung des göttlichen Gesetzes. Da aber das Christentum dieses Princip für sich in Anspruch nimmt, muss dem gleichzeitigen Judentum ein minderwertiges Motiv für das religiöse Handeln angedichtet werden. Nach Schürer war es „der Glaube an die göttliche Vergeltung, und zwar an eine Vergeltung im allerstrengsten juristischen Sinne: Der Bund Gottes mit Israel ist ein Rechts vertra g, durch welchen beide Contrahenten gegenseitig gebunden sind. Das Volk ist verpflichtet, das von Gott ihm gegebene Gesetz pünktlich und gewissenhaft zu beobachten; dafür ist aber auch Gott verpflichtet, den verheissenen Lohn nach Massgabe der Leistung dem Volke zu entrichten. Leistung und Lohn müssen immer im entsprechenden Verhältnis zu einander stehen. Wer viel leistet, hat von der Gerechtigkeit Gottes zu erwarten, dass ihm auch viel Lohn zu Teil werden wird, während umgekehrt jede Uebertretung auch entsprechende Strafe nach sich zieht"4). Diesen „ethischen Eudämonismus mitsamt der ganzen Verdiensttheorie" soll erst das Evangelium beseitigt haben. Für die Eömer und Griechen mag das zutreffen, für das pharisäische Judentum bedurfte es dieser Befreiung nicht, denn es hat nicht unter der Knechtschaft des Lohngedankens gestanden. „Seid nicht wie die Knechte, die ihrem Herrn um des Lohnes *) Sure Num. 141 (62 b). 2) Sifre Deut. 32 (73 a). s) Vgl. Mech. 104 a: hvew* by romp nemo nstnw wo. *) Geschichte IT, 465, vgl Bousset 396, Holzmann, Neutest. Theologie I, S. 64.

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