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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 88

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 88)
Language
German
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IRI
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— 81 — von allem Kultischen und Zeremoniellem, von Luxus und Gepränge, ein Gottesdienst im Geist. Höchst einfach, überall leicht nachzuahmen, auf rein demokratischer Grundlage, ein jeder hatte in ihm die gleichen Rechte, weder Priester noch Theologen hatten seine Leitung in Händen. Das bürgerliche Leben kulminierte im Gottesdienst, um so intensiver war seine Wirkung, er hat die Religion zum Eigentum der Laien und der Masse gemacht, und verhindert, dass das Judentum Schule und Sache der Gelehrten wurde. „Und welche vorbildliche Bedeutung hat das Judentum mit dieser Schöpfung gehabt! Die Heiligung eines Tages in der Woche durch gottesdienstliche Versammlung, das gemeinsame Gebet, das Bekenntnis, die Schriftverlesung, die Predigt, der Segen, wie ist uns das alles vertraut. Wir vergessen nur zu leicht, wem wir diese Formen gottesdienstlichen Lebens danken"1). Demselben Ziele der Heiligung dient die ganze Kette derjenigen Vorschriften, die wir als ceremonielle bezeichnen. Wird das Verhältnis des Menschen zu Gott unter dem Bilde der „Herrschaft Gottes" gefasst, so vertreten diese „Gesetze" gewissermassen die Verfassung. „Ihr habt meine Herrschaft auf euch genommen, so müsst ihr auch meine Verordnungen annehmen"2). Diese Verordnungen sind nicht ein Joch wie die mehr oder minder lästigen Pflichten gegen den Staat, die Bestimmungen der Thora lenken die Gedanken auf den Vater im Himmel, sie vermitteln das Bewusstsein der Gottesnähe, in dem die Religion erst ihre Aufgabe erfüllt. Die Beschäftigung mit der Thora soll nicht Theologen und Juristen heranbilden, ihre Beobachtung nicht gedankenlosen Lippendienst und mechanisches Abtun „frommer" Werke schaffen, beides, Studium und Ausübung haben den Zweck, heilige und fromme Menschen zu erziehen, die auf Gott ihr Denken und Handeln richten. Auf Gott gerichtet sind die Werke der Menschen ausschliesslich dann, wenn sie in Freiwilligkeit und Freudigkeit geübt werden. Die Frommen der Vergangenheit sind ein leuchtendes Vorbild der spontanen Hingebung an Gott3), vor allem Moses, ]) Bousset 153 f. 8) Mech. 67ajb, Sifra 85 d w»u tap nar»D vnata orfapi 8) Vgl. z. B. Midrasch zu Ps. 112,1 (Buber 468). §

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