Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 87

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 87)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2273546-2273589--1132-2274909
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 80 - Und dasselbe gilt schliesslich auch vom Gebet; dem „Kultus im Herzen", wie es die Pharisäer nannten1). Dass Andacht und Innigkeit die Voraussetzungen eines "würdigen Gebetes sind, war auch für die Pharisäer so selbstverständlich, dass es überflüssig wäre hierauf einzugehen, wenn nicht von christlichen Theologen das jüdische Gebet als zum äusserlichen Werkdienst herabgewürdigt2) dargestellt würde, als ein Häufen von Formel auf Formel, als wolle man sich Gott vernehmlicher machen, ihn erschreien3). Nun lehrten aber die Pharisäer, „dass das Gebet der Frommen recht kurz sei", imd beriefen sich auf das Beispiel Mosis, der für seine Schwester Mirjam nur die wenigen Worte sprach: 0 Gott, heile sie doch4). Formel an Formel hängen ist eine Herabwürdigung Gottes, jede neue Anrede an ihn eine Einschränkung seines unendlichen Ruhmes5), viel Worte machen heisst „Plappern wie die Heiden". Es ist ein Zeichen der Kleingläubigkeit ebenso wie das laute Schreien beim Gebet6). Und auch der ist kleingläubig, der sich um den morgigen Tag bekümmert „der den Tag geschaffen hat, hat auch die Versorgung an ihm geschaffen"7). Was der Agadist hier in Form einer Schriftauslegung ausspricht, hat der Pharisäer Josephus ausführlicher und klarer wiedergegeben: Bei der Anrufung Gottes im Gebet aber soll man nicht flehen, dass Gott uns das Gute beschere, denn aus eigenem Antriebe hat er es allen gegeben und angeboten, sondern dass wir imstande «sind es aufzunehmen und bei uns zu bewahren8). Auf gottesdienstlichem Gebiete verdanken wir den Pharisäern die grosse Schöpfung der Synagoge. Ihre religionsgeschichtliche Bedeutung ist jüngst von Bousset hervorgehoben worden. Die Synagoge war, wie sonst noch nirgends ausgebildet, frei J) Sifre Deut. 41 (80 a): aSa ma». 2) Schürer, II, 487. 8) Bousset 807. 4) Vgl. Mech. 29 a, 45 b; Sifre Num. 105 (28 b). 8) Vgl. b. Berahot 33 b. 6) b. Ber. 24b: judk »atapD m mbßta iSip -pKon. 7) Mech. 47 b: bs now'^iwn itj^K n n»n |K30 inoais Ria m» Rias» »d nie« Torna m nn inoS byi» no *iöim ovn Sato-no A »»» »o. Wenn das Evangelium von den Heiden sagt, dass sie so kleingläubig sind (Mt. 6,7.32), so lag gar keine Veranlassung vor, das auch auf Juden zu beziehen. *) Ap. H, 23 Ende.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.