Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 86)
- Language
- German
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- fö - vielmehr hatten die Frommen der alten Zeit ihre Freude daran, Opfer und Sündopfer darzubringen1). Die Opfer, das wusste man sehr wohl, bedeuten für die Gottheit gar nichts, als materielle Leistung, als stoffliche Grabe haben sie gar keinen Wert, nur ein rein geistiger Zweck wird mit ihnen verfolgt. „Gering ist alles Opfer zum lieblichen Geruch und sehr gering alles Fett zum Brandopfer für Dich"2). „Ein Feueropfer zum Wohlgeruch vor mir", das erklären die Kabbinen mit Anwendung eines Wortspiels, „eine Genugtuung vor mir, da ich ein Gebot gab und mein Wille geschah. Zum Wohlgefallen, heisst es ferner, gereicht das Opfer eines Kleinviehs wie das des Grossviehs; das lehrt, dass die Grösse der Gabe vor Gott keinen Unterschied macht, denn nicht zu essen und nicht zu trinken braucht Gott, sondern er sprach und sein Wille geschehe"3). In Wirklichkeit aber kann das Heiligtum Gott nicht fassen, denn Himmel und Erde erfüllt er (Jer. 23, 24), das Feuer auf dem Altar und die Opfer darauf können ihn nicht befriedigen, denn der ganze Libanon würde nicht genügen zum Brennen, all sein Getier nicht zum Ganzopfer4). Von dem heidnischen Opferkultus unterscheidet sich der jüdische darin, dass er nicht als Anlass zu Orgien benutzt wurde, der heiligen Handlung musste ein würdiges Verhalten entsprechen. So schreibt Josephus5): „Die Opfer bringen wir übrigens nicht unter Frass imd Völlerei dar (was Gott missfällig und nur ein Anlass zur Zügellosigkeit und Verschwendung wäre), sondern wir bleiben dabei vernünftig, anständig und nüchtern, damit die heilige Handlung durchaus würdevoll verlaufe. Während der Darbringung des Opfers beten wir". Dass das ohne Lauterkeit der Hände und der Gesinnung dargebrachte Opfer, nach Anschauung der Pharisäer ein Greuel ist, dem Götzenopfer gleich geachtet, ist bereits früher bemerkt worden6). Was hier über den ausschliesslichen Wert der Gesinnung ausgeführt ist, gilt auch vom Fasten7). *) Kerit. VI, 2 (25 a), b. Ned. 10 a; nichtsdestoweniger wurde man bei der Zerstörung sofort mit sich einig sie aufzuheben, vgl. Bousset 97. 2) Jud. 16,16. ») Sifre Num. 143 (54a). 4) Mech. 18b. 8) Ap. II, 23. 6) Vgl. oben S. 25 ff. und Sir. 31,21 ff. ') Vgl. oben S. 27 über die Fastenpredigt. Siegfried war schlecht beraten, als er schrieb, dass das Judentum Fasten als ethisches Erziehungsmittel nicht kennt (Jahrb. für jüd. Gesch. u. Lit. m, 1900, S. 57).