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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1904-01-01 · 22.1904 · page 81

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
22.1904
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 81)
Language
German
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IRI
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- H - heisst, er ist ein verzehrendes Feuer? vielmehr ist gemeint, ihr sollt seinen Wegen nach wandeln; wie er die Nackten Dekleidete1), so bekleide auch du sie, wie er die Kranken besuchte2), so besuche auch du Kranke, wie er Trauernde tröstete3), so sollst auch du Trauernde trösten; wie er Tote bestattete4), so sollst auch du Tote bestatten. Nicht nur für diese Vorschriften streng ethischer Natur, sondern auch für Regeln des Taktes und Wohlverhaltens wird Gott als Muster hingestellt, gilt die Nachahmung seines Verhaltens als höchste Pflicht. Als Abraham wegen der Sodomiter vor Gott betete, erwiderte ihm der Heilige gelobt sei Er: So ich fünfzig Gerechte in der Stadt finde, will ich dem ganzen Ort um ihretwillen vergeben. Wohl wusste der Schöpfer, dass in Sodom nicht drei Gerechte existierten, aber er wollte dennoch dem Abraham nicht ins Wort fallen, liess ihn vielmehr ausreden6). Jofcanan b. Saccai entnimmt der .heiligen Schrift das Gebot des Zartsinns, andere nicht zu beschämen und zu verletzen: „komm und sieh, wie sehr Gott Acht hatte auf die Ehre der Geschöpfe"6). So wurde auf dem Gedanken der Nachahmung Gottes die ganze Ethik aufgebaut; man bemühte sich, bis ins einzelnste hinein in der Heiligen Schrift Aussagen über Gottes Tun zu finden und als nachstrebenswert hinzustellen. Aber wohlgemerkt, nur diejenigen Stellen der heiligen Schrift sammelte man, in denen Gottes Gerechtigkeit und Gnade, sein Wohltun und seine Liebe betont sind, und an sie knüpfte man an, aber keineswegs an diejenigen Stellen der Schrift, in denen das Gegenteil von Gott ausgesagt wird. Es wird nie gesagt: Wie Gott eifervoll und rächend ist, zornglühend und grimmig, so sollt auch ihr voller Eifer und Grimm sein. Solche Leidenschaften muss der religiöse Mensch unterdrücken, er darf nicht sich rächen und nicht nachtragen, weder durch Worte noch durch J) Gen. 3,21: Gott bekleidete Adam und Eva. 2) Gottes Besuch bei Abraham Gen. 18,1 nach dei* Auslegung des Midrasch Gen. rab. cap. 48. *) Gott segnet Isak nach dem Tode Abrahams Gen. 26,11. 4) Gott selbst bestattet Moses nach der Auffassung der Alten von Deut. 34,6. 8) Ab. di R. Natan cap. 37, Ree. B. cap. 40 (ed. Schechter 66 a), «) Sifre Deut. 192 (110a),

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