Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 22.1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
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— 70 — Feuer und Wasser gereicht, wonach du, wenn du willst, die Hand ausstrecken kannst"1). Ja, er hat noch mehr getan, er hat den Menschen ausdrücklich auf das Gute hingewiesen. „Lehen und Tod hahe ich vor dich hingelegt, Segen und Fluch, du aher wähle das Lehen". Der Mensch ward von vornherein darüber belehrt, dass der Pfad des Bösen, der eben und glatt beginnt, doch schliesslich unheilvoll endet, dass der Weg zum Guten am Anfang oft dornenvoll ist, dass er durch Kampf und Leiden hindurchgeht, dass er aber schliesslich zur Freude und zum Glück führt2). Das Mittel, seine Seele nach dem Willen Gottes rein zu erhalten, ist die Gottesfurcht, d"ö# jrno. „Die Furcht des Herrn geht über alles, wer sie besitzt, wem ist er gleichzustellen"3)? Dem Knecht, der Gott dient um des Lohnes willen, stellt Antigonos aus Socho den religiösen Menschen gegenüber, der sich von der Gottesfurcht leiten lässt, der handelt „wie ein Sohn, der den Willen des Vaters ausführt, und dessen Herz voll Hochgefühl bei dieser Handlung ist"4). Die nächste Folge der Gottesfurcht ist Scheu vor der Sünde. Nachdem unser Gesetzgeber, sagt Josephus, „zuvor den eigenen festen Entschluss gefasst hatte, alle seine Handlungen und Gedanken nach dem Willen Gottes einzurichten, hielt er sich in erster Linie für verpflichtet, die gleiche Ueberzeugung auch den Massen beizubringen. Denn wer da glaubt, dass Gott auf sein Leben schaue, der ist keiner Sünde fähig"5). Das Mittel, sich inmitten der Ablenkungen und Verführungen der Welt immer wieder diesen religiösen Gedanken zum Bewusstsein zu bringen, bildet die Vertiefung in die Gotteslehre. Sie ist darum das Beste, was der Mensch erstreben kann, die grösste aller religiösen Tugenden6). Denn das Studium der Thora, der Offenbarung Gottes macht mit dem Willen Gottes bekannt, leitet an zur Ausführung desselben, führt zur Innehaltung eines sittlichen Lebens. Der Unwissende, dem es *) Sir. 15,14ff. 2) Sifre Deut. 53 (86 a). 3) Sir. 25,11. «) Abot I, 8 u. Abot di R. Natan Ree. B. cap. 10 (ed. Schechter 13 a). 8) Ap. H, 16. 6) Peah 1,1 t&? *U33 min *m£rn.